#6: Warum ist Integrität für ein Unternehmen wichtig?

„Integrity is all about execution.
You don’t just wake up one day and have it;
you must work every day to keep it,
even when you stumble and fall
you’ll learn from your mistakes.“ 

– David Beck

Beim Bau des Freiburger Münsters soll sich die folgende Geschichte zugetragen haben:

Ein Spaziergänger kommt auf den Freiburger Marktplatz und sieht drei Männer Steine klopfen. Er fragt den ersten: „Was machen Sie da?“ „Steine klopfen – das sehen Sie doch!“ antwortet dieser. Der Spaziergänger fragt den Nächsten: „Was machen Sie da?“ „Geld verdienen – ist doch offensichtlich!“ sagt der Zweite. Schließlich ergeht die gleiche Frage an den dritten Steineklopfer: „Was machen Sie da?“ Dieser aber antwortet: „Ich baue an einem Dom!“

Nur der dritte Steineklopfer wusste, wozu er da ist und konnte seine (vermeintlich unbedeutende) Tätigkeit in das große Ganze einordnen. Zweck dessen, was sie taten, war für den ersten Steineklopfer die Tätigkeit selbst (Steine klopfen) und für den zweiten das Geld. Man stelle sich vor, die drei wären nicht Steineklopfer, sondern Verkäufer in einem Unternehmen. Wer würde Dich überzeugen?

Ich persönlich könnte mich nur mit dem Dritten identifizieren. In Zahlen würde das heißen, dass nur einer von drei Verkäufern (= 33%) mich überzeugen könnte. Zudem entsteht bei mir ein diffuses Bild von dem Unternehmen. Ich weiß nicht so genau, mit wem ich es zu tun habe, weil es auch den Mitarbeiten selbst nicht ganz klar zu sein scheint (jeder erzählt mir etwas anderes). Die Wahrscheinlichkeit, dass mir das Unternehmen im Gedächtnis bleibt und ich anderen davon erzähle ist sehr gering.

Doch was hat das alles mit Integrität zu tun?

Was ist ein integres Unternehmen?

Integrität ist die „Übereinstimmung zwischen idealistischen Werten und der tatsächlichen Lebenspraxis.“ Sprich: Das was man sagt ist identisch mit dem was man tut.

Wie ich in meinem letzten Blog-Artikel geschrieben habe muss die Geschichte, die ein Unternehmen erzählt, auch wahr sein. Integrität spielt also auch für Unternehmen eine wichtige Rolle. Vor allem im heutigen Digital-Zeitalter, in welchem eine höhere Transparenz herrscht, weil positive und negative Meinungen zu Unternehmen sich nicht mehr nur über klassische Medien wie z. B. Zeitungen, sondern auch über Einzel-Personen schnell und leicht verbreiten (z. B. Facebook, Twitter, Blogs, etc.).

Ein Unternehmen wie LichtBlick, welches grünen Strom anbietet und gleichzeitig Biogas verkauft, das aus Massentierhaltung gewonnen wurde, handelt zum Beispiel nicht integer. Die idealistischen Werte des Unternehmens stimmen nicht mit der tatsächlichen Lebenspraxis überein. Die Quittung dafür erhielt Lichtblick schnell und steuerte entsprechend gegen. Der Image-Schaden bleibt jedoch.

Unternehmen (und Personen) die nicht integer sind wirken unglaubwürdig und verlieren bei den Menschen an Vertrauen, welches meist nicht so leicht zurückgewonnen werden kann.

Doch wie kann man erreichen, dass ein Unternehmen integer ist?

Oder: Wie wüssten alle drei Steineklopfer, dass sie Teil einer bedeutsamen Unternehmung sind?

Wie entsteht ein integres Unternehmen?

Berühmte Führungspersönlichkeiten wie Martin Luther King Jr., Steve Jobs, John F. Kennedy und viele andere haben eines gemeinsam: Anstatt Menschen zu leiten, inspirieren sie diese zu Taten. Wer inspiriert, gibt Menschen ein Gefühl von Sinn und Zugehörigkeit. Inspirierte Menschen sind extrem motiviert, weil sie aus einem inneren Antrieb heraus handeln – sie setzen sich nicht für das Wohle des Ganzen ein, weil sie es MÜSSEM, sondern weil sie es WOLLEN.

Auf dieser Erkenntnis aufbauend hat Simon Sinek in seinem Buch „Start With Why: How Great Leaders Inspire Everyone to Take Action“ ein Modell entwickelt, das er den „goldenen Kreis“ nennt.

Der goldene Kreis besteht aus drei Schichten:

  • „WAS“ ist die äußerste Schicht und bezeichnet, WAS ein Unternehmen tut (die Produkte und Dienstleistungen).
  • „WIE“, die mittlere Schicht, steht dafür, WIE eine Organisation das macht, WAS sie tut. Unternehmen nennen dies häufig „Unique Selling Point“ oder „Value Proposition“.
  • „WARUM“, der Kern des „goldenen Kreises“ repräsentiert, WARUM es ein Unternehmen überhaupt gibt.

Mit dem WARUM ist nicht Gewinn-,  sondern Nutzen-Maximierung gemeint. Das WARUM bezeichnet also die Ursache, das Motiv oder die Überzeugung einer Organisation.

Die meisten Organisationen und Menschen denken, handeln und kommunizieren von außen nach innen (von WAS zu WARUM). Ausgangspunkt inspirierender Organisationen und Menschen ist jedoch der innerste Kreis – ihr WARUM.

In der Geschichte über den Bau des Freiburger Münsters oben bewegen sich die ersten beiden Steineklopfer auf der WAS-Ebene. Der eine gibt als Zweck seiner Tätigkeit die Arbeit selbst (das Steine klopfen) und der andere das Geld an. Auf der WARUM-Ebene befindet sich nur der dritte Steineklopfer, dem das große Ganze klar ist: der Dom-Bau.

Durch das WARUM als Leitidee eines Unternehmens sind Produkte, Dienstleistungen, Marketing, PR und Unternehmenskultur im Einklang miteinander. Auch die Akquise von Mitarbeitern, Kunden und Partnern wird leichter, weil man genau die Menschen und Organisationen anzieht, welche das WARUM inspiriert.

Ergebnis eines starken und klaren WARUMs ist also ein integres Unternehmen.

Wer bestimmt das WARUM eines Startups?

Das WARUM eines Startups wird durch die Person bestimmt, die es gründet. Und deshalb habe ich in meinen ersten drei Blog-Artikeln ( #1: Wie gründet man ein innovatives Startup?; Was hat Psychologie mit guten Startup-Ideen zu tun?; #3: Wo findet man Sinn-volle Startup-Ideen? ) auch so einen großen Wert auf die eigene Persönlichkeit gelegt. Denn Voraussetzung für die Gründung eines innovativen Startups ist, dass man selbst darin einen hohen Sinn sieht und sich vollkommen klar über das WARUM des Vorhabens ist. Ein integres Unternehmen kann nur aus einer – in Bezug auf die Sache – integren Persönlichkeit heraus entstehen. Wer sein WARUM kennt und es permanent kommuniziert und vorlebt, der gewinnt leicht die richtigen Mitarbeiter und Partner (die sich mit dem Unternehmen identifizieren können). Und auch von Kunden wird man klarer und positiver wahrgenommen. Letztlich kann ein Unternehmen nur so langfristig Produkte herstellen, die sich selbst weitererzählen.

Fazit

Für die Gründung eines innovativen Startups ist man früher oder später auf andere Menschen angewiesen. Was ist ein Unternehmen ohne Mitarbeiter oder Kunden? Wahrscheinlich insolvent. Oder erst gar nicht existent. Nur durch die Beteiligung von Personen können gute Produkte entstehen, die sich selbst weitererzählen. Wirksamer, als Menschen zur Beteiligung zu zwingen ist es, sie dazu zu inspirieren. Dafür ist es als Gründer wichtig, das eigene WARUM zu kennen, es mit dem WARUM des Startup zu vereinbaren und im Sinne dessen integer zu handeln.

Katz-Und-Maus-Spiel: SEO

Seit 15 Jahren besteht nun die Suchmaschine Google. Von Anfang an war es das große Ziel, durch eine automatisierte Einstufung der unzähligen Inhalte im Internet, die Online-Suche zu vereinfachen. In den ersten Jahren waren jedoch Google´s Kriterien (Algorithmus) zur Bewertung einer Webseite einfach zu durchschauen. Dadurch konnte ein beliebiger Internetauftritt mit relativen geringen Aufwand hinsichtlich dieser Kriterien optimiert und eine gute Position in der Suchergebnis-Liste erreicht werden. Im Laufe der Jahre wurde der Algorithmus zunehmend angepasst, sodass ein immer größeres Katz-Und-Maus-Spiel zwischen Google und SEO-Optimierern entstand.

SEO (Search-Engine-Optimization) ist ein Teilgebiet von SEM (Search Engine Marketing). Es ist eine der heutzutage bedeutendsten Online-Marketing-Maßnahmen, um möglichst viele Besucher auf die eigene Website zu lenken, im Web leicht gefunden zu werden und somit eine möglichst hohe Internetpräsenz zu erreichen.

Um unseriösen Methoden zur Webseiten-Optimierung, wie dem übermäßigen Einsatz von Keywords (suchrelevanter Schlüsselwörter) entgegen zu wirken, verschärft und wandelt Google Ihren Algorithmus seit 2006 permanent ab. Dadurch soll verhindert werden, dass Webseiten trotz geringer Qualität, durch gezielte Manipulation der Suchergebnisse, auf einer oberen Position „ranken“.

Inzwischen ist die Komplexität der Kriterien jedoch derart gestiegen, dass es selbst für qualitativ hochwertige Webseiten nicht mehr einfach ist, ein gutes Ranking zu bekommen und anschließend beizubehalten. Nur durch ständige Optimierung kann eine gute „Sichtbarkeit“ in den Suchergebnissen beibehalten werden. Da das Know-how, welches man zur effektiven SEO-Arbeit braucht, jetzt schon riesig ist und stetig wächst, empfiehlt es sich entweder einen SEO-Experten „inhouse“ zu haben oder es an eine SEO-Agentur auszulagern. Ein Zwischenspiel von internen sowie externen Experten kann eine weitere Lösung sein. Sicher ist, dass das keine Aufgabe mehr ist, die nebenbei zu bewerkstelligen ist.

Für diejenigen, welche auf der Suche nach einer professionellen SEO-Agentur sind, möchte ich die befreundete Firma „SMS GmbH“ nennen und empfehlen, welche ihr unter folgenden Link finden könnt: www.social-media-gmbh.de.

Momentan ist Deutschland hinsichtlich verfügbarer Tools zur Search-Engine-Optimization wohl das fortschrittlichste Land. So stammt auch Andre Alpar, der momentan vermutlich wichtigste Experte auf diesem Gebiet, aus Deutschland. Er erklärt: „Amerikanische Tools legen tendenziell mehr Wert auf Einfachheit und die Benutzeroberfläche. Das mag für die Hobby-SEO-Person reichen, aber nicht für diejenigen, die professionelles SEO betreiben.“

Zu den Tools, welche sich gegenwärtig am meisten beweisen gehören u.a.: Sistrix (www.sistrix.de), AKM3 (www.akm3.de), SEOlytics (www.seolytics.de), Searchmetrics Essentials (suite.searchmetrics.com), Linkvendor (www.linkvendor.com) und sitefactor (www.sitefactor.de).
Für welches Tool man sich entscheidet hängt immer von der eigenen Geschmacksache und dem verfügbaren Budget ab.

Durch meine Tätigkeit bei der Anleiter GmbH im Betahaus, hatte ich kürzlich die Möglichkeit einen Vortrag von Andre Alpar zu hören. Allen, die in dieses Thema interessiert sind und allen, die sich gerne begeistern lassen möchte ich nahe legen eine solche Gelegenheit ebenfalls zu nutzen. Hier findet ihr Termine zu Vorträgen von Andre Alpar: http://www.andre-alpar.de/vortraege.html.

In meinem nächsten Blogeintrag werde ich einen Ansatz geben, um herauszufinden, ob eine SEO- bzw. SEM-Investition lohnenswert ist.

Intrapreneurship als Innovationsgarantie

Intrapreneurship dient als nachhaltiger Erfolgsfaktor, als anhaltende Innovationsgarantie für dauerhaft integriertes Entrepreneurship in Unternehmen.

Dies bezieht sich nicht nur auf Produkte, es bezieht sich ebenfalls auf Unternehmensstrukturen. Nicht selten ist es empfehlenswert zu alten Regeln und Gewohnheiten „Adieu“ zu sagen und für etwas Neues Platz zu machen.

In meinem letzten Blogeintrag zur Generation Y habe ich die Erwartungen von Arbeitnehmern wie Freiheit zum eigenen Engagement, Mitspracherecht, Begegnung mit den Vorgesetzten auf Augenhöhe beschrieben. An diese müssen sich Unternehmen mehr und mehr anpassen, um nicht unterzugehen. In der heutigen Zeit müssen Unternehmer nicht nur mutig sein und Neues wagen, indem sie z.B. Hierachien abbauen, sie sollten auch die Wichtigkeit hierzu erkennen.

Hierzu beweist sich Intrapreneurship als ausgesprochen empfehlenswerter Ansatz! In der Rede von Guy Kawasaki zu seinem Buch „The Art of the Start“, welche wir im Rahmen des Themenfeldes angehört haben, haben wir unter anderem einen Eindruck zu Intrapreneurship bekommen.

Intrapreneure sind Mitarbeiter in einem Unternehmen, welche gleichzeitig als Innovatoren funktionieren. Sie entwickeln unternehmerische Visionen und handeln entsprechend.
R. Pieper definiert sie folgendermaßen: „Intrapreneure sind innerbetriebliche Unternehmer, die zwar festangestellte Mitarbeiter des Unternehmens sind, sich aber wie innovative Unternehmer verhalten und neue Produkte, Dienstleistungen und Verfahren entwickeln.“
Gifford Pinchot sagt: „intrapreneurs, like entrepreneurs, are not necessarily inventors of new products of service. Their contribution is in taking new ideas or even working prototypes and tuning them into profitable realities.“

Von ihm stammen auch „The Intrapreneur’s Ten Commandments„:

10 Gebote für Intrapreneure

1. Komme jeden Tag mit der Bereitschaft zur Arbeit, gefeuert zu werden.

2. Umgehe alle Anordnungen, die deinen Traum stoppen können.

3. Mache alles, was zur Realisierung deines Ziels erforderlich ist – unabhängig davon, wie deine eigentlichen Aufgabenbeschreibung aussieht.

5. Folge bei der Auswahl von Mitarbeitern deiner Intuition und arbeite nur mit den Besten zusammen.

4. Finde Leute, die dir helfen.

6. Arbeite so lange es geht, im Untergrund – eine zu frühe Publizität könnte das Immunsystem der Organisation mobilisieren.

7. Wette nie in einem Rennen, wenn du nicht selbst darin mitläufst.

8. Denke daran – es ist leichter um Verzeihung zu bitten als um Erlaubnis.

9. Sei ehrgeizig in Bezug auf deine Ziele, aber realistisch im Bezug auf die Möglichkeiten, diese zu erreichen.

10. Halte deine Sponsoren/Förderer in Ehren.

Man kann streiten, wie man diese Gebote nun bezeichnen will. Ob übertrieben, provokant, inspirierend – mutig ist es auf jeden Fall und vielleicht sogar mit der mitbringenden Herausforderung ein Schritt in die richtige Richtung.

Pinchot muss sich eingehend mit Machiavelli beschäftigt haben, denn in den 10 Geboten sind einige Parallelen zu seinen Kernsätzen zu erkennen. Um ein paar zu nennen:

4. Gebot – Verläßliche Anhänger finden.
9. Gebot – Ziele müssen realisierbar sein sowie realisiert werden und man muss ganz hinter ihnen stehen.
10. Gebot – Erhalte die Loyaliät deines Förderers.

Das 8. Gebot widerspricht Machiavellis Grundsatz: „Große Männer vergessen Kränkungen nicht, egal, durch welche Wohltaten man sie hinterher zu gewinnen sucht“.

Meiner Meinung nach ist Intrapreneurship ein brillianter Ansatz, um die Motivation der Mitarbeiter, welche in Startups noch ganz natürlich ist beizubehalten. Oder Motivation in länger bestehenden Unternehmen zu erzeugen. Außerdem hilft es, die Mitarbeiter mehr in das Unternehmen und seine Tätigkeiten miteinzubeziehen.

Einige befürchten wahrscheinlich dadurch an Kontrolle und an Wichtigkeit der Position im Unternehmen zu verlieren. Was denkt ihr darüber? Würdet ihr euren Mitarbeitern in einem solchen Rahmen Freiheit zur Mitentwicklung und -gestaltung geben?

#5: Wie erfahren Menschen von meiner Gründung?

 „The thing that’s gonna decide
what gets talked about,
what gets done,
what gets built is:
is it remarkable?“

– Seth Godin

Früher konnte man mit jeder Menge Geld Fernsehwerbung und Anzeigen in Magazinen schalten, um Menschen davon zu überzeugen, ein Produkt zu WOLLEN – unabhängig davon, ob sie es tatsächlich BRAUCHTEN oder nicht.

Im heutigen Digital-Zeitalter funktioniert das nicht mehr. Die Menschen sind Werbung gegenüber misstrauisch geworden. Und aufgrund der Transparenz, die das Internet ermöglicht, kann jeder schnell und leicht überprüfen, ob ein Produkt wirklich so gut ist wie der Hersteller verspricht.

Doch wenn traditionelle Werbung (wie sie in zahlreichen Marketing-Seminaren gelehrt wird) wirklich nicht mehr funktioniert, was kann man dann tun? Und sowieso: Als Gründer habe ich doch gar nicht genug Geld (wahrscheinlich sogar gar keins), um eine große Kampagne zu starten!

Das Buch „All Marketers Are Liars“ von Seth Godin liefert diesbzgl. eine paar erhellende Antworten, die ich im Folgenden kurz zusammenfassen werde:

Was hat Marketing mit Geschichten zu tun?

Beim Marketing geht es darum, eine Geschichte zu erzählen. Mit der Geschichte ist jeder einzelne Aspekt des Unternehmens gemeint. Die Geschichte muss sich in jeder Facette des Handelns eines Unternehmens wiederspiegeln. Ziel von Marketing ist es, Kunden eine großartige Geschichte zu erzählen, die sie glauben und weitererzählen, weil sie wahr ist.

Der Kunde bildet sich eine Meinung zum Produkt, bevor er davon hört!

Menschen haben eine bestimmte Weltsicht (Werte, Glaubenssätze, Vorbehalte, etc.). Alles was man sagt oder tut wird vom Kunden aufgrund seiner Weltsicht in einer bestimmten Art und Weise interpretiert. Ein Kunde hört sich die Geschichte nur an, wenn sie entsprechend seiner Weltsicht gestaltet wurde. Marketing ist erfolgreich, wenn es ein Publikum findet, welches die Geschichte, die erzählt wird, bereits glaubt. Denn Menschen wollen ihre Weltsicht nicht ändern. Sie wollen hören, was sie ohnehin schon glauben.

Warum scheitern Produkte?

1. Niemand hat bemerkt, dass es das Produkt gibt.

Wenn etwas nicht beeindruckend oder außergewöhnlich ist, wird es ignoriert.

2. Leute haben das Produkt bemerkt, aber sie wollten es nicht ausprobieren. 

Es gibt Gruppen von Menschen, die darauf brennen, etwas auszuprobieren – diese Menschen muss man mit seiner Geschichte ansprechen (zumindest am Anfang).

3. Sie haben es ausprobiert, aber wollen es nicht weiter nutzen.

Neue Produkte wachsen, wenn man einige „Early Adopter“ erreicht und sie davon überzeugt, die Antwort auf all ihre Gebete zu haben. Man muss also nicht die 90% überzeugen, die eine andere Weltsicht haben, sondern die 10% mit einer passenden Weltsicht. Wenn 10% von dem Produkt oder dem Service überzeugt sind, dann erzählen sie es den restlichen 90%.

4. Die Leute mochten das Produkt, aber sie haben es ihren Freunden nicht erzählt.

Warum nicht? Aufgrund ihrer Weltsicht. Ob eine Geschichte sich schnell verbreitet oder nicht hängt davon ab, ob Leute sich dabei wohlfühlen, wenn sie die Geschichte mit anderen teilen. Man muss eine Geschichte erfinden, bei der die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie zu einem Ideenvirus wird und sich leicht ausbreitet.

Was muss man bei all dem beachten?

Man darf dem Kunden keine Geschichte erzählen, die nicht stimmt. Wenn der Kunde das Produkt oder den Service erfährt, muss sich die Geschichte bewahrheiten – sonst fühlt er sich betrogen. Nur eine wahre Geschichte erzählt der Kunde weiter (an Freunde, Bekannte, Kollegen, etc.).

Was braucht man also für erfolgreiches Marketing?

Zuallererst braucht man ein gutes Produkt, weil sich darum leichter eine gute Geschichte stricken lässt, die sich auch bewahrheitet. Dann muss man eine eine fruchtbare Gruppe von Menschen finden, die dafür sorgt, dass die Geschichte sich verbreitet. Wenn die Geschichte sich einfach weitererzählen lässt und die Menschen, die sie hören, glauben, dass die Geschichte es Wert ist weitererzählt zu werden, dann wird sie sich verbreiten. Das Schwierige dabei ist, die richtige Gruppe von Menschen zu identifizieren und ihnen die richtige Geschichte zu erzählen.

Fazit

Marketing mit Erlaubnis der Kunden wirkt besser als Spam. Wünsche erfüllende, persönliche und relevante Werbung für Menschen, die sie haben wollen ist immer effektiver, als Fremde laut anzuschreien.

Getaggt mit , , ,

#4: Die Motivation: Geld oder Liebe?

 „Ja, das Gold regiert die Welt.
Sie baut Throne,
Gott zum Hohne, der Macht,
die sie gefesselt hält.“ 

– Georg Henisch (1616)

Dieses Zitat hat seine Gültigkeit nach fast 400 Jahren nicht verloren. Zwar wurde aus Gold Geld, doch regieren tut es noch immer. Nicht nur die Welt, sondern auch in einem Großteil der Seminare an unserer Hochschule. Doch ist Geld als Antrieb für die Gründung und Führung eines Unternehmens hilfreich und zielführend?

Die Engpasskonzentrierte Strategie (EKS) von Wolfgang Mewes  

Einige Zeit vor meinem Studium bin ich auf die von Wolfgang Mewes entwickelte Engpass-konzentrierte Strategie (EKS) gestoßen, ohne die ich wahrscheinlich auch nicht hier gelandet wäre. Die EKS ist Ergebnis einer Analyse mehrerer Tausend besonders erfolgreicher Führungskräfte und Unternehmen. Der Erfolg dieser Menschen beruht danach im Wesentlichen auf den folgenden 4 Prinzipien:

1. Konzentration statt Verzettelung

„Statt viele Probleme gleichzeitig und oberflächlich zu lösen fördert die EKS die Konzentration der Kräfte und die Entwicklung in die Tiefe der Probleme und Zusammenhänge.“ Wer sich spezialisiert und seine Kräfte konzentriert hat Erfolg.

2. Minimumprinzip

Das Minimumprinzip beantwortet die Frage „Wo liegt der wirkungsvollste Ansatzpunkt für den Einsatz meiner Kräfte?“ Märkte und Unternehmen sind vernetzte und komplexe Systeme. Löst man das Kernproblem, bzw. den zentralen Engpass innerhalb eines vernetzten Systems, so werden in der Folge viele kleine Probleme gelöst, die damit zusammenhängen.  

3. Immaterielle vor materiellen Vorgängen

Dieses Prinzip beschreibt, dass alles Materielle seine Wurzel im Immateriellen hat. Ein Beispiel: Wenn ich mir ein Bier kaufen möchte, dann tue ich das ja nicht, weil es etwas kostet. Sondern genau andersherum: Weil ich ein Bier haben möchte kostet es etwas. Nicht das Angebot bestimmt die Nachfrage, sondern die Nachfrage bestimmt das Angebot.  Heißt also auch: Wenn keiner Bier haben wollte, dann würde es nichts kosten. Klingt schön, wäre aber egal: Man hätte ja gar keine Lust drauf! 😉 Doch zurück zur Kern-Aussage des Prinzips: „Je besser man immaterielle Vorgänge erkennt und beeinflusst, desto besser sind auch die materiell-finanziellen Ergebnisse.“

4. Nutzen- vor Gewinn-Maximierung

Wer sich das Ziel setzt, den Nutzen für seine Zielgruppe zu steigern, der erhält in der Folge auch einen höheren Gewinn. Denn wenn die Zielgruppe einen höheren Nutzen in einer Leistung sieht, dann ist sie auch bereit, mehr dafür zu bezahlen.

Was sind die negativen Folgen des einseitigen Gewinnstrebens?

Die Folgen der klassischen BWL-Denkweise, welche Profitmaximierung als das oberste Ziel ausruft, führt nicht nur weniger wahrscheinlich zu Erfolg, sondern hat auch zahlreiche weitere negative Auswirkungen auf unsere Gesellschaft:

  • Das Allgemeinwohl kommt zu kurz
  • Beziehungen werden rein funktional
  • Menschliche Werte verschwinden
  • Beziehungen zu Kunden werden Mittel zum Zweck

Was war die Motivation erfolgreicher Gründer?

Richard Branson, der Gründer der Virgin Group fing mit einem Magazin an. Seine Motivation?

„I set up this magazine called Student when I was 16, and I didn’t do it to make money – I did it because I wanted to edit a magazine. There wasn’t a national magazine run by students, for students. I didn’t like the way I was being taught at school. I didn’t like what was going on in the world, and I wanted to put it right.“

Wie wenig Richard Branson sich für Geld interessiert zeigt übrigens auch diese Anekdote:

„And we built Europe’s maybe largest private group of companies and age 50 I was in a board meeting, and I said something like, „Is that good news or bad news?“ And I could see a director smile from the other side of the table. And he took me out of the room and said, „Richard, I don’t think you know the difference between net and gross.“ And I said… Well, you know, I didn’t want to admit the fact. And he said, „Well, look, let me just help you.“ So he pulls out a bit of paper and he draws the sea, and then he puts a net in the sea, and then he says, „The fish in the net, now that’s your profit at the end of the year, and the rest of the sea, those fish that aren’t in your net, that’s your turnover.“ And I got it.“

Und Steve Jobs kennt zwar den Unterschied zwischen Netto und Brutto, aber dieses Zitat aus der Biographie von Walter Isaacson könnte auch ein Zitat aus der EKS-Strategie sein.

„My passion has been to build an enduring company where people were motivated to make great products. Everything else was secondary. Sure, it was great to make a profit, because that was what allowed you to make great products. But the products, not the profits were the motivation. […] It’s a subtle difference, but it ends up meaning everything: the people you hire, who gets promoted, what you discuss in meetings.“ 

Fazit 

Liebe siegt ganz klar und zu null über das Geld (auch aufgrund einiger Eigentore).

Oder glaubt jemand, dass Geld zumindest einen Ehrentreffer geschossen hat?

“Shoot for he moon. Even if you miss, you will land among the stars“ (Les Brown)

Klar, jeder Gründer tritt an um Erfolg zu haben. Motivationsgründe gibt es genug: Selbstverwirklichung als Unternehmer, brillante Ideen, Familientradition, angestrebter Reichtum und viele mehr. Die Erfolgsbeispiele kennen wir alle auch zur Genüge, deswegen spare ich die an dieser Stelle aus. Aber kaum einer redet über die, die scheitern. Jene, die genauso motiviert antreten und sich am Ende doch eingestehen müssen, als Unternehmer versagt zu haben.

insolvenz

Mal ehrlich, wer weiß schon, dass jedes dritte neu gegründete Unternehmen in den ersten drei Jahren scheitert?  Was das heißt? Die Wahrscheinlichkeit, dass es Dein Startup erwischt liegt bei 1:2. Und weiter: Ein Viertel aller jährlichen Unternehmenspleiten gehen zu Lasten von Jungunternehmen (Unternehmen, bei denen die Gründung maximal zwei Jahre zurückliegt).  Eine kleine Übersicht von Startups, die bereits im ersten Halbjahr 2012 gescheitert sind findet ihr hier.

Aber was sind die Faktoren? Ein bereits im Jahr 2000 verfasster Artikel liefert zehn, nach wie vor aktuelle, gute Gründe:

  • Zu viele Geschäftsmodelle der selben Art am Markt
  • Manager haben keine Erfahrung
  • Unkenntnis der Rechtslage
  • Liquiditätsplanung geht nicht auf – finanzielle Mittel reichen nicht aus
  • Keine Kernkompetenz
  • Anforderungen spezifischer Märkte werden nicht beachtet
  • Idee wurde nicht sorgfältig geprüft
  • Die Umsetzung ist nicht professionell und kann den Ansprüchen nicht gerecht werden
  • Das Marketing-Budget wird nicht nachhaltig investiert
  • Große Konkurrenten besetzen den Markt

Natürlich kann diese Liste unendlich weitergeführt werden. Jedoch gibt sie eine grundsätzliche Vorstellung von den Gefahren, die zu einer Pleite führen können.

Und wenn es soweit ist? War’s das dann? Nicht Unbedingt. Es gilt, die Situation frühzeitig zu erkennen! Je früher ein Unternehmer die eigene Situation realistisch einschätzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich aus der Krise hervorzugehen. Denn: Im Gegensatz zu Traditionsunternehmen scheitern Startups nicht an der Unfähigkeit zur Innovation, sondern in den meißten Fällen an der Unerfahrenheit der Gründer. Wird die Situation rechtzeitig richtig eingeschätzt, stehen die Chancen gut erfolgreich neu starten zu können. Voraussetzung ist ein tragbares Geschäftsmodell.

Sogar Positives kann man einer Insolvenz abgewinnen: „Gerade Erstgründer können aus dem Fazit eines gescheiterten Unternehmens wertvolle Denkanstösse erhalten. Vielfach sind diese auch hilfreicher als die beliebten “best pratices”, da sie kritischer über das eigene Geschäftsmodell nachdenken lassen während Erfolgsstorys meist alles ganz einfach aussehen lassen“. Kaum einer beschreibt das besser, als Jonathan Tang in seinem Blog „Diary of a failed Startup“.

Ich persönlich würde mir wünschen, dass das Risiko zu Gründen in Deutschland eine ähnliche Wertschätzung genießen würde wie in den USA. Auch bei Misserfolg wird ein Unternehmer dort immer als solcher gewürdigt. Schließlich kommt Unternehmer von unternehmen und nicht von unterlassen. Und außerdem kommt nach jedem Tief ein Hoch.

berg und tal

Also: Weiter machen!

Mal was Nützliches!

Zuallererst: Glückwunsch. Wir haben es fast geschafft. Ein Semester lang hatten wir Zeit, um zu blogen, was das Zeug hält. Und mal ehrlich: Eigentlich waren wir doch gar nicht so schlecht, oder?

Aber hat sich eigentlich mal einer die Frage gestellt, wie man richtig blogt? Oder sich sogar zu dem Thema belesen, was der Unterschied ist zwischen den erfolgreichen Blogs und denen mit zwei bis drei Lesern. Ich denke, es ist an der Zeit, sich diese Frage zu stellen „Wie bloge ich richtig?“ Denn eines ist (denke ich) uns doch allen klar: Ein guter Blog kann ein entscheidendes Kriterium sein, wenn es darum geht seinen Kunden ein Mehrwert zu bieten, ein positives, glaubwürdiges Image der eigenen Marke zu erzeugen und im besten Fall ihre Kaufentscheidung zu beeinflussen.

blogoversum

Es ist kein Geheimnis mehr, die Blogosphere dehnt sich kontinuierlich aus (siehe Grafik). Doch leider ist es nach wie vor so, dass viele Startups die positiven Aspekte eines Blogs (besonders in der Startphase) vernachlässigen. Dabei bietet ein Blog viele verschiedene Vorteile:

  • Ein eigener Blog, unabhängig von der Serverfarmen der großen Anbieter, schafft Content, losgelöst von Google+ und facebook (auch interessant)
  • Ein Blog der direkt an die eigene Website gekoppelt ist, leitet Leser des Blogs auch auf die eigentliche Firmenseite weiter
  • Ein professioneller Blog schafft Vertrauen in die fachliche Kompetenz
  • Durch Verlinkungen kann sich dieser auch im Zuge des SEO bewehren
  • Blogleser geben Feedback und das direkt und unmittelbar
  • Der Blog kann das Unternehmen für Interessenten persönlicher und greifbarer machen

Natürlich, man sollte den Aufwand nicht unterschätzen. Aber die folgenden Tipps sollten dabei helfen, diesen richtig einzuordnen:

  • Grundsätzlich sollte der Blog in Kategorien eingeteilt sein. Kein Leser möcht sich durch wirre Inhalte wühlen
  • Bei der Länge gilt es zu beachten, dass Blogeinträge in der Regel nicht länger als vier bis fünf Absätze sind
  • Hyperlinks zu anderen Seiten untermauern die Glaubwürdigkeit
  • Crosslinks (links zu anderen Quellen) sind wichtig im Zuge des SEO
  • Nicht auf Bilder verzichten. Pro Eintrag mindestens eins
  • Es sollte eine Überschrift gewählt werden, die animiert den Eintrag auch wirklich zu lesen
  • Im Gegensatz zu Zeitungsartikeln sollen Blogeinträge unterhalten – das sollte bei der Sprache beachtet werden.
  • Kommentare sollten ernstgenommen und beantwortet werden

Schön zu lesen auch der „Blog Crash Kurs 2012“.

Wer jetzt noch wissen möchte, wie man sich selber einen richtig schönen Blog mit wordpress baut und auch noch ca. eine Stunde über hat, dem ist das Video von Taylor Moore sehr zu empfehlen.

Und als kleine Motivation und zur Inspiration folgt hier noch eine Liste meiner drei Lieblingsblogs

fundersandfounders.com

klonblog.de

ashmaurya.com

Gen Y – How Boomer Babies are Changing the Workplace

Vor 10 Jahren noch die Thumb Gerneration, sind sie heute als die Digital Natives bekannt – die Ypsiloner, die goldene Generation, die Millennials – die Gewinner und Veränderer des heutigen Arbeitsmarktes. – Die Wiegenkinder der Achtziger und Neuziger.

Wir sprechen hier von der ersten Generation, die mit dem Internet sowie mobiler Kommunikation aufgewachsen und daher technologisch als überaus affin zu bezeichnen ist. Eine Tatsache, die schon vor einem Jahrzehnt erste Auswirkungen zeigte:

„Handheld-Technologien wie Mobiltelefone, GameBoys und Notebooks haben bei der Handy-Generation unter 25 Jahren zu einer biologischen Mutation des Daumens geführt“, so das Ergebnis einer Untersuchung der „Cybernetic Culture Research Unit“ an der Warwick University. Weiter berichtete schon damals die britische Zeitung „Observer“, seien durch mobile Geräte die Fingeraktivitäten in Richtung Daumen verlagert worden.

Bis heute hat sich diese Entwicklung intensiviert und lässt sich mittlerweile zunehmend auch im sozialen Kontext erkennen: die Millennials identifizieren sich über die Marken ihrer Computer oder Mobiltelefone. Sie sind Mac oder PC, Android oder iPhone Benutzer. Sie sind über Laptop, Smartphone, iPad o.Ä. am twittern, facebooken, whatupsen und so ständig in sozialen Netzwerken unterwegs.  Ihren klaren Status teilen sie in Online-Netzwerken offen und selbstbewusst mit, was wiederum dem Social-Media-Marketing eine immer größere Bedeutung zukommen lässt.

Darüber hinaus hat wohl kaum eine Generation die Arbeitsplätze so maßgebend verändert wie die Ypsiloner.

Seit über einem Jahrzehnt zählen sie nun schon zu den Arbeitsfähigen; Unternehmen sind auf sie angewiesen und dennoch immer noch nicht richtig auf sie vorbereitet. „Diese Gerneration wird die Arbeitskultur in den Unternehmen radikal umkrempeln“, so Anders Parment, der ein Buch über die Ypsiloner geschrieben hat.

Die „goldene Gerneration“ charakterisiert sich durch eine Reihe von Eigenschaften: Sie sind qualifiziert und haben eine gute Ausbildung genossen, die meisten haben einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss. Auslandaufenthalte, Arbeitsplatzwechsel und zahlreiche Praktika sind beinahe selbstverständlich. Sie sind dynamisch und kreativ, selbstbewusst, optimistisch, extrem anspruchsvoll und wählerisch. Routine ödet sie an. Sie arbeiten lieber in Teams; ob direkt vor Ort oder virtuell, während sie Hierarchiesysteme mehr und mehr verabscheuen. Sie möchten ihren Vorgesetzten auf Augenhöhe begegnen und zögern nicht lange mit ihrer eigenen Meinung und Kritik. Sie sind motiviert Überstunden zu machen, wenn sie darin einen Sinn erkennen und der Job Spaß macht. Doch anders als es charakterisierend für die Fünfzigerjahre war, wollen sie nicht mehr nichtstuend Stunden verstreichen lassen, sondern den Schreibtisch verlassen, wenn ihre Aufgaben erledigt sind.

Forderungen an den Arbeitgeber wie beispielweise Elternzeit, klare Aussagen über Karierechancen, gute Bezahlung, Weiterbildungen durch den Arbeitgeber, ect. zunehmend alltäglich, während dies früher außergewöhnliche Extras waren. Arbeitgebern bleibt hierbei im Rahmen der Einstellung neuer Mitarbeiter nur noch wenig Entscheidungsfreiheit, denn der Anteil der Millennials unter den Erwerbsfähigen wird von Jahr zu Jahr größer, während die Anzahl aller Erwerbsfähigen stetig und immer schneller abnimmt.

„Schon seit einigen Jahren nimmt die Verweildauer in den Firmen stark ab. Wer jetzt auf den Arbeitsmarkt kommt, weiß, dass er wertvoll ist und jederzeit wechseln kann“, sagt Wilhelm Bauer vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Also bleibt dem Arbeitgeber nicht mehr viel anderes übrig, als sich den Anforderungen anzupassen.

Das ist auch der Grund dafür, dass Themen wie Unternehmensphilosophie, und -kultur, dezentralisierte Führung und Beyond Budgeting eine immer größere Bedeutung in der Unternehmeswelt bekommen.

Diese Themen richten sich also nicht mehr nur an Social-Entrepreneure, sondern an alle Unternehmer, die den deutlichen Trend der goldenen Generation überleben wollen – besser gesagt müssen.

Es ist für bestehende aber auch zukünftige Unternehmer, wie wir es in unserem Studiengang anstreben zu werden, von Vorteil dieses Phänomen von Beginn an zu beachten.

Warum scheitern Startups?

Das Forschungsprojekt „Startup Genome“ untersucht seit 2010, was erfolgreiche Startups von weniger erfolgreichen unterscheidet. Dabei haben sie bisher ca. 3200 Startups befragt und die Antworten ausgewertet. Bei der Analyse hat sich herausgestellt, dass jedes Startup – ähnlich wie ein Produkt – einen Lebenszyklus („Startup Lifecycle) durchläuft. Diesen haben sie in folgende Phasen gegliedert (Details hier)

Die 6 Phasen eines Startups

  1. Discovery
  2. Validation
  3. Efficiency
  4. Scale
  5. Profit Maximization
  6. Renewa

Die Theorie in der Praxis

Das Unternehmen, dass wir zur Zeit beraten, hat auf den ersten Blick alles richtig gemacht:
Mit ihrer Dienstleistung lösen sie ein echten Problem bei Ihren Kunden (Discovery). Diese haben aufgrund ihrer „Not“ eine gesunde Zahlungsbereitschaft (Validation). Dank der fachlichen Kompetenz (Efficiency) der beiden Gründerinnen und dem innovativen Produktangebot werden dem jungen Startup die Türen praktisch eingerannt. Klassisches Marketing ist fast nicht mehr nötig. Darüber hinaus wurde durch die Jury beim Businessplan-Wettbewerb bestätigt, dass die Planungen wie im Businessplan beschrieben sehr vielversprechend sind, was letztlich sogar im Sieg mündete.

Doch auch der beste Businessplan schützt nicht vor der (teils) harten Realität, oder mit anderen Worten, frei nach Justinus Pieper:

„Kein Businessplan überlebt den ersten Feindkontakt“

So auch in diesem Fall. Mit dem besagten Ansturm hatte man so nicht gerechnet. Verständlicherweise wollte man dem gerecht werden, indem neue Mitarbeiter eingestellt wurden (Scale). Demzufolge gelangte man nach sehr kurzer Zeit bereits ins 2. Jahr (lt. der Planung im Businessplan). Warum kann das zum Problem werden?

Inkonsistentes Wachsen

Basierend auf der hohen Interaktion mit Ihren Kunden befindet sich das Unternehmen bereits in der 4. Phase, also in der Scale Phase.

Das Problem an der Stelle:

Die verschiedenen Teilbereiche im Unternehmen sind unterschiedlich schnell gewachsen. Die Organisation (z.B.  das Projektmanagement) konnte den veränderten Anforderungen nicht schnell genug angepasst werden. Auch ein funktionierendes Controlling, dass bei einem skalierenden Startup immer wichtiger wird, wurde noch nicht eingeführt. Das heisst also vom Verhalten her, ist man noch nicht in der Scale Phase angekommen, es herrscht Inkonsistenz:

scaling

Der Hauptgrund für’s Scheitern

Genau diese Inkonsistenz der verschiedenen Teilbereiche ist lt. den Forschungsergebnissen des „Startup Genome Project“ der Hauptgrund für das Scheitern junger Startups. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wächst das Unternehmen zu schnell, wie im Fall oben, dann nennt man es „dysfunctional scaling“ oder andersherum, wenn an manchen Stellschrauben zu früh gedreht wird – beispielsweise wenn das Marketing ausgeweitet wird ohne sein Produkt validiert zu haben – dann spricht man von „premature scaling“.

Hier ein paar Beispiele für die benannte Inkonsistenz (aus dem Startup Genome Extra Report)

examples for inconsistency

Fazit

Für mich war es eine wertvolle Erkenntnis, dass die Konsistenz aller Teilbereiche innerhalb eines Startups am stärksten zum Erfolg beiträgt. Dies ergänzt wie ich finde sehr gut den Lean Startup Ansatz bei der Gründung eines Unternehmens. Insgesamt bin ich dankbar die Theorie einmal anhand eines praktischen Beispiels kennen gelernt zu haben.

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Service Blueprint

Wie im letzten Blogpost versprochen, möchte ich euch heute das sogenannte „Service Blueprinting“ vorstellen, da ich es selbst vor unserer Projektarbeit nicht kannte und es für überaus hilfreich empfinde, besonders für diejenigen von uns, die eine Selbstständigkeit im Dienstleistungsbereich anstreben.

Was ist ein Service Blueprint?

Ein Service Blueprint ist eine Visualisierungs-Methode, bei der man einen Dienstleistungsprozesses und seine Teilaktivitäten abbildet. Besonders herausgestellt wird dabei die Schnittstelle zwischen Kunde und Unternehmen während der Leistungserstellung. Warum? Bei fast allen Dienstleistungen stehen die Bedürfnisse des Kunden im Fokus und er wird so zum Teil der Dienstleistungserstellung. Denkt zum Beispiel an ganz simple Dienstleistungen des alltäglichen Lebens, wie der Arztbesuch oder das Beratungsgespräch in der Bank. Dabei kann das Kundenerlebnis je nach Gestaltung des Prozesses ausschlaggebend für die Wiederkehr des Kunden sein (Negativ-Beispiele: lange Wartezeiten, Intransparenz etc.).

Seht selbst anhand des Blueprints für eine Neuro-Klinik:

PRESBY_NEURO_CLINIC

Schritte zur Erstellung des Blueprints

Wie geht man vor um den Blueprint zu erstellen? Folgende Abbildung macht dies gut deutlich:

Schritte des Blueprinting

Bei der letztendlichen Erstellung des Blueprints unterteilt man die Dienstleistung in verschiedene Stufen (s. Abb.), je nachdem ob sie zusammen mit dem Kunden erfolgen, oder ob sie im Hintergrund geleistet werde, wovon der Kunde nichts mitbekommt. Hier lässt sich wiederum sehr viel umgestalten, ein gutes Beispiel dafür ist die „Show-Küche“ in manchen Restaurants, in denen man den Köchen bei der Arbeit zuschauen kann. Im Fokus steht dabei (fast) immer das Erlebnis des Kunden – danach sollten also auch die Prozesse ausgerichtet sein.

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Welcher Nutzen hat das Blueprinting?

Das Blueprinting eignet sich – wie schon zuvor beschrieben – hervorragend zur Analyse und  (Um-) Gestaltung von Dienstleistungsprozessen. Vorrangig richtet es sich dabei an das Management von Dienstleistungsunternehmen. Aber auch Mitarbeiter bekommen durch die übersichtliche Visualisierung einen guten Eindruck vom Ablauf der Leistungserstellung und den Rollen bzw. Verantwortlichkeiten. Auch Kunden kann mithilfe eines Blueprints der Prozess transparent veranschaulicht werden und so zur Akquise genutzt werden.

Persönliches Fazit

Während der Analyse der Prozesse in dem von uns beratenden Unternehmen bin ich auf dieses machtvolle Instrument aufmerksam geworden. Zwar hat es letztlich keine Anwendung gefunden, da die Komplexität im Unternehmen für diese Art von Visualisierung zu hoch war, dennoch würde ich es als sehr hilfreich einschätzen, da die Prozesse sehr stark auf den Kunden ausgerichtet werden und durch Modifikation sehr kreative Ansätze enstehen können (s. oben „Show-Küche“).

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