Archiv des Autors: bjoernlefers

#7: WARUM gibt es Apple?

„Your time is limited,
so don’t waste it living someone else’s life.
Don’t be trapped by dogma
– which is living with the results of other people’s thinking.
Don’t let the noise of others‘ opinions drown out your own inner voice.
And most important, have the courage to follow your heart and intuition.“ 

– Steve Jobs

In meinen bisherigen und insbesondere meinem letzten Blog-Artikel fiel immer wieder die Frage nach dem Sinn oder dem WARUM eines Unternehmens, welche positiven Wirkungen sich daraus ergeben und inwiefern die Persönlichkeit des Gründers dabei eine Rolle spielt. Im Folgenden möchte ich versuchen, diese Thesen und dessen praktische Relevanz anhand der (stark verkürzten) Geschichte von Apple zu veranschaulichen.

Apples Aufstieg – Teil 1

Laut Simon Sinek besteht der goldene Kreis von Apple aus den folgenden Ebenen (siehe meinen letzten Blog-Artikel zur Erklärung dieses Modells):

  • WHY: „Everything we do, we believe in challenging the status quo. We believe in thinking differently.
  • HOW: „The way we challenge the status quo is by making our products beautifully designed, simple to use and user friendly.“
  • WHAT: „We happen to make great computers.“

Das WARUM des Unternehmens, den „status quo anzuzweifeln“ und „anders zu denken“ war in Steve Jobs Persönlichkeit stärker verankert als in der seines Mit-Gründer Steve Wozniak. Ein starkes WARUM allein reicht jedoch nicht aus. Die Umetzung ist ebenso wichtig. Diesen Part übernahm Steve Wozniak, der wusste, WIE dieses WARUM umgesetzt werden kann, indem er den ersten Apple Computer (das WAS) baute. Zu dieser Zeit (Ende der 1970er) waren Computer riesige Maschinen, die sich nur Unternehmen leisten konnten und Apple ermöglichte Menschen etwas wahrhaft Revolutionäres:

„The Apple gave an individual the power to do the same things as any company. For the first time ever, one person could take on a corporation simply because they had the ability to use the technology.“ – Steve Wozniak

Diese Idee wurde verfeinert, als Apple (wie auch Microsoft) die Idee eines „Graphical User Interface“ von Xerox PARC (einem Forschungszentrum) stahl. Damit wurde die Nutzung eines Computers stark vereinfacht, indem aus den vielleicht aus MS-DOS bekannten Kommando-Zeilen wie diesen hier:

001

… eine ansprechende Nutzer-Oberfläche mit einer Maus (die es vorher nicht gab) wurde:

002

Der Computer oben wurde im Januar 1984 zum Super Bowl mit diesem Werbefilm eingeführt:

In dieser Werbung symbolisiert der „Big Brother“ auf der Leinwand den großen Feind Apples: Das Unternehmen IBM, welches damals primär Unternehmen aber (aufgrund des hohen Preises) kaum Privat-Menschen mit großen Computern belieferte. In dieser Werbung wird das WARUM Apples, den „status quo anzuzweifeln“ und „anders zu denken“ sehr deutlich.

Apples Fall

Als das Unternehmen florierte und schnell wuchs wurde ein erfahrener Manager namens John Sculley zum CEO, den der junge Steve Jobs selbst von Pepsi abgeworben hatte. 1985 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Steve Jobs und John Sculley, bei welcher sich der Verwaltungsrat Apples auf die Seite von Sculley stellte, woraufhin Jobs schließlich Apple verließ.

Doch der Austausch eines CEO‘s ist „wie eine Hirn-Transplantation“ und mit dem Abschied von Steve Jobs verschwand auch das WARUM von Apple. John Sculley war stärker an Profit-, denn an Nutzen-Maximierung interessiert.

In Steve Jobs eigenen Worten:

„My passion has been to build an enduring company where people were motivated to make great products. Everything else was secondary. Sure, it was great to make a profit, because that was what allowed you to make great products. But the products, not the profits were the motivation. Sculley flipped these priorities to where the goal was to make money. It‘s a subtle difference, but it ends up meaning everything: the people you hire, who gets promoted, what you discuss in meetings.“

Ergebnis war, dass Apple 1997 kurz vor der Insolvenz stand und über ein diffuses Produkt-Angebot verfügte:

(Bild aus „New iPad adopts simple product naming Steve Jobs brought to Apple in 1997“ Thanks, Bruce!)

Apples Aufstieg – Teil 2

Als Steve Jobs 1997 zu Apple zurückkehrte erhielt das Unternehmen auch sein WARUM zurück. Berühmt geworden ist die Geschichte, wie Steve Jobs das diffuse Produkt-Angebot aufräumte, indem er in einem Meeting ein Diagramm ähnlich dem folgenden aufmalte:

Als Ziel gab er aus, nur noch 4 Produkte zu entwickeln – eines für jeden Quadranten. Anstatt sich zu verzetteln konzentrierte er sich also auf das Wesentliche und vereinfachte das Produkt-Angebot stark, so dass der Nutzen Apples für Kunden wieder klarer zu erkennen war.

Mit Steve Jobs an der Spitze fand Apple zurück zu seiner eigentlichen Identität (dem WARUM) und zu altem Ruhm. Diese Wende markiert auch dieser 1997 erschienene Werbefilm, bei dessen Produktion Steve Jobs stark involviert war:

Im Verlauf der Geschichte Apples zweifelte das Unternehmen under Steve Jobs (gemäß seines WARUMs) den status quo gleich mehrerer Industrien an und revolutionierte:

  • die Computer-Industrie mit dem Apple Computer,
  • die Musik-Industrie mit dem iPod und iTunes,
  • die Telefon-Industrie mit dem iPhone und dem App Store und
  • die Buch-Industrie mit dem iPad und dem iBook Store.

Fand mit dem Tod von Steve Jobs im Jahre 2011 auch das WARUM Apples ein Ende?

Apples Zukunft?

Tim Cook wurde 2011 neuer CEO, nachdem er zuvor 13 Jahre für Apple arbeitete.  Zuletzt sorgte er als chief operating officer (COO) dafür, dass die Produktionsprozesse bei Apple effizienter wurden und kümmerte sich um den Vertrieb und die Organisation.

Bei seiner Antritts-Rede verkündete er, dass das iPhone als Smart Phone nur einen 5% Markt-Antail am gesamten Handy-Markt hat und gab als Ziel von Apple vor, sich ein größeres Stück dieses Kuchens sichern zu wollen:

Bildschirmfoto 2013-02-05 um 16.30.15

Diese Zielvorgabe mündete auch gleich in einem neuen Produkt-Angebot – mit drei verschiedene iPhone-Versionen in unterschiedlichen Preis-Kategorien, die gleichzeitig angeboten werden:

Bildschirmfoto 2013-02-05 um 16.33.07

Und seit kurzem gibt es neben dem iPad auch das iPad mini, welches sich von der Größe her irgendwo zwischen iPhone und iPad bewegt. Weckt das Erinnerungen an das diffuse Produkt-Angebot von 1997? Hat sich Apples Fokus wieder von der Nutzen- zur Profit-Maximierung verschoben?

Es ist sicherlich begrüßenswert, dass Apple unter Tim Cook ein wenig freundlicher und sanftmütiger geworden ist als unter seinem Vorgänger Steve Jobs. Auch bezweifel ich, dass Apple mit Tim Cook so schnell ein ähnliches Schicksal ereilen wird wie damals unter John Sculley, weil das Unternehmen heute viel breiter aufgestellt ist und gleich mehrere Industrien dominiert.

Doch mit Steve Jobs ist auch die Magie gegangen, das WARUM von Apple hat an Deutlichkeit verloren und aus „dem größten Startup auf dem Planeten“ ist ein konventioneller Konzern geworden.

#6: Warum ist Integrität für ein Unternehmen wichtig?

„Integrity is all about execution.
You don’t just wake up one day and have it;
you must work every day to keep it,
even when you stumble and fall
you’ll learn from your mistakes.“ 

– David Beck

Beim Bau des Freiburger Münsters soll sich die folgende Geschichte zugetragen haben:

Ein Spaziergänger kommt auf den Freiburger Marktplatz und sieht drei Männer Steine klopfen. Er fragt den ersten: „Was machen Sie da?“ „Steine klopfen – das sehen Sie doch!“ antwortet dieser. Der Spaziergänger fragt den Nächsten: „Was machen Sie da?“ „Geld verdienen – ist doch offensichtlich!“ sagt der Zweite. Schließlich ergeht die gleiche Frage an den dritten Steineklopfer: „Was machen Sie da?“ Dieser aber antwortet: „Ich baue an einem Dom!“

Nur der dritte Steineklopfer wusste, wozu er da ist und konnte seine (vermeintlich unbedeutende) Tätigkeit in das große Ganze einordnen. Zweck dessen, was sie taten, war für den ersten Steineklopfer die Tätigkeit selbst (Steine klopfen) und für den zweiten das Geld. Man stelle sich vor, die drei wären nicht Steineklopfer, sondern Verkäufer in einem Unternehmen. Wer würde Dich überzeugen?

Ich persönlich könnte mich nur mit dem Dritten identifizieren. In Zahlen würde das heißen, dass nur einer von drei Verkäufern (= 33%) mich überzeugen könnte. Zudem entsteht bei mir ein diffuses Bild von dem Unternehmen. Ich weiß nicht so genau, mit wem ich es zu tun habe, weil es auch den Mitarbeiten selbst nicht ganz klar zu sein scheint (jeder erzählt mir etwas anderes). Die Wahrscheinlichkeit, dass mir das Unternehmen im Gedächtnis bleibt und ich anderen davon erzähle ist sehr gering.

Doch was hat das alles mit Integrität zu tun?

Was ist ein integres Unternehmen?

Integrität ist die „Übereinstimmung zwischen idealistischen Werten und der tatsächlichen Lebenspraxis.“ Sprich: Das was man sagt ist identisch mit dem was man tut.

Wie ich in meinem letzten Blog-Artikel geschrieben habe muss die Geschichte, die ein Unternehmen erzählt, auch wahr sein. Integrität spielt also auch für Unternehmen eine wichtige Rolle. Vor allem im heutigen Digital-Zeitalter, in welchem eine höhere Transparenz herrscht, weil positive und negative Meinungen zu Unternehmen sich nicht mehr nur über klassische Medien wie z. B. Zeitungen, sondern auch über Einzel-Personen schnell und leicht verbreiten (z. B. Facebook, Twitter, Blogs, etc.).

Ein Unternehmen wie LichtBlick, welches grünen Strom anbietet und gleichzeitig Biogas verkauft, das aus Massentierhaltung gewonnen wurde, handelt zum Beispiel nicht integer. Die idealistischen Werte des Unternehmens stimmen nicht mit der tatsächlichen Lebenspraxis überein. Die Quittung dafür erhielt Lichtblick schnell und steuerte entsprechend gegen. Der Image-Schaden bleibt jedoch.

Unternehmen (und Personen) die nicht integer sind wirken unglaubwürdig und verlieren bei den Menschen an Vertrauen, welches meist nicht so leicht zurückgewonnen werden kann.

Doch wie kann man erreichen, dass ein Unternehmen integer ist?

Oder: Wie wüssten alle drei Steineklopfer, dass sie Teil einer bedeutsamen Unternehmung sind?

Wie entsteht ein integres Unternehmen?

Berühmte Führungspersönlichkeiten wie Martin Luther King Jr., Steve Jobs, John F. Kennedy und viele andere haben eines gemeinsam: Anstatt Menschen zu leiten, inspirieren sie diese zu Taten. Wer inspiriert, gibt Menschen ein Gefühl von Sinn und Zugehörigkeit. Inspirierte Menschen sind extrem motiviert, weil sie aus einem inneren Antrieb heraus handeln – sie setzen sich nicht für das Wohle des Ganzen ein, weil sie es MÜSSEM, sondern weil sie es WOLLEN.

Auf dieser Erkenntnis aufbauend hat Simon Sinek in seinem Buch „Start With Why: How Great Leaders Inspire Everyone to Take Action“ ein Modell entwickelt, das er den „goldenen Kreis“ nennt.

Der goldene Kreis besteht aus drei Schichten:

  • „WAS“ ist die äußerste Schicht und bezeichnet, WAS ein Unternehmen tut (die Produkte und Dienstleistungen).
  • „WIE“, die mittlere Schicht, steht dafür, WIE eine Organisation das macht, WAS sie tut. Unternehmen nennen dies häufig „Unique Selling Point“ oder „Value Proposition“.
  • „WARUM“, der Kern des „goldenen Kreises“ repräsentiert, WARUM es ein Unternehmen überhaupt gibt.

Mit dem WARUM ist nicht Gewinn-,  sondern Nutzen-Maximierung gemeint. Das WARUM bezeichnet also die Ursache, das Motiv oder die Überzeugung einer Organisation.

Die meisten Organisationen und Menschen denken, handeln und kommunizieren von außen nach innen (von WAS zu WARUM). Ausgangspunkt inspirierender Organisationen und Menschen ist jedoch der innerste Kreis – ihr WARUM.

In der Geschichte über den Bau des Freiburger Münsters oben bewegen sich die ersten beiden Steineklopfer auf der WAS-Ebene. Der eine gibt als Zweck seiner Tätigkeit die Arbeit selbst (das Steine klopfen) und der andere das Geld an. Auf der WARUM-Ebene befindet sich nur der dritte Steineklopfer, dem das große Ganze klar ist: der Dom-Bau.

Durch das WARUM als Leitidee eines Unternehmens sind Produkte, Dienstleistungen, Marketing, PR und Unternehmenskultur im Einklang miteinander. Auch die Akquise von Mitarbeitern, Kunden und Partnern wird leichter, weil man genau die Menschen und Organisationen anzieht, welche das WARUM inspiriert.

Ergebnis eines starken und klaren WARUMs ist also ein integres Unternehmen.

Wer bestimmt das WARUM eines Startups?

Das WARUM eines Startups wird durch die Person bestimmt, die es gründet. Und deshalb habe ich in meinen ersten drei Blog-Artikeln ( #1: Wie gründet man ein innovatives Startup?; Was hat Psychologie mit guten Startup-Ideen zu tun?; #3: Wo findet man Sinn-volle Startup-Ideen? ) auch so einen großen Wert auf die eigene Persönlichkeit gelegt. Denn Voraussetzung für die Gründung eines innovativen Startups ist, dass man selbst darin einen hohen Sinn sieht und sich vollkommen klar über das WARUM des Vorhabens ist. Ein integres Unternehmen kann nur aus einer – in Bezug auf die Sache – integren Persönlichkeit heraus entstehen. Wer sein WARUM kennt und es permanent kommuniziert und vorlebt, der gewinnt leicht die richtigen Mitarbeiter und Partner (die sich mit dem Unternehmen identifizieren können). Und auch von Kunden wird man klarer und positiver wahrgenommen. Letztlich kann ein Unternehmen nur so langfristig Produkte herstellen, die sich selbst weitererzählen.

Fazit

Für die Gründung eines innovativen Startups ist man früher oder später auf andere Menschen angewiesen. Was ist ein Unternehmen ohne Mitarbeiter oder Kunden? Wahrscheinlich insolvent. Oder erst gar nicht existent. Nur durch die Beteiligung von Personen können gute Produkte entstehen, die sich selbst weitererzählen. Wirksamer, als Menschen zur Beteiligung zu zwingen ist es, sie dazu zu inspirieren. Dafür ist es als Gründer wichtig, das eigene WARUM zu kennen, es mit dem WARUM des Startup zu vereinbaren und im Sinne dessen integer zu handeln.

#5: Wie erfahren Menschen von meiner Gründung?

 „The thing that’s gonna decide
what gets talked about,
what gets done,
what gets built is:
is it remarkable?“

– Seth Godin

Früher konnte man mit jeder Menge Geld Fernsehwerbung und Anzeigen in Magazinen schalten, um Menschen davon zu überzeugen, ein Produkt zu WOLLEN – unabhängig davon, ob sie es tatsächlich BRAUCHTEN oder nicht.

Im heutigen Digital-Zeitalter funktioniert das nicht mehr. Die Menschen sind Werbung gegenüber misstrauisch geworden. Und aufgrund der Transparenz, die das Internet ermöglicht, kann jeder schnell und leicht überprüfen, ob ein Produkt wirklich so gut ist wie der Hersteller verspricht.

Doch wenn traditionelle Werbung (wie sie in zahlreichen Marketing-Seminaren gelehrt wird) wirklich nicht mehr funktioniert, was kann man dann tun? Und sowieso: Als Gründer habe ich doch gar nicht genug Geld (wahrscheinlich sogar gar keins), um eine große Kampagne zu starten!

Das Buch „All Marketers Are Liars“ von Seth Godin liefert diesbzgl. eine paar erhellende Antworten, die ich im Folgenden kurz zusammenfassen werde:

Was hat Marketing mit Geschichten zu tun?

Beim Marketing geht es darum, eine Geschichte zu erzählen. Mit der Geschichte ist jeder einzelne Aspekt des Unternehmens gemeint. Die Geschichte muss sich in jeder Facette des Handelns eines Unternehmens wiederspiegeln. Ziel von Marketing ist es, Kunden eine großartige Geschichte zu erzählen, die sie glauben und weitererzählen, weil sie wahr ist.

Der Kunde bildet sich eine Meinung zum Produkt, bevor er davon hört!

Menschen haben eine bestimmte Weltsicht (Werte, Glaubenssätze, Vorbehalte, etc.). Alles was man sagt oder tut wird vom Kunden aufgrund seiner Weltsicht in einer bestimmten Art und Weise interpretiert. Ein Kunde hört sich die Geschichte nur an, wenn sie entsprechend seiner Weltsicht gestaltet wurde. Marketing ist erfolgreich, wenn es ein Publikum findet, welches die Geschichte, die erzählt wird, bereits glaubt. Denn Menschen wollen ihre Weltsicht nicht ändern. Sie wollen hören, was sie ohnehin schon glauben.

Warum scheitern Produkte?

1. Niemand hat bemerkt, dass es das Produkt gibt.

Wenn etwas nicht beeindruckend oder außergewöhnlich ist, wird es ignoriert.

2. Leute haben das Produkt bemerkt, aber sie wollten es nicht ausprobieren. 

Es gibt Gruppen von Menschen, die darauf brennen, etwas auszuprobieren – diese Menschen muss man mit seiner Geschichte ansprechen (zumindest am Anfang).

3. Sie haben es ausprobiert, aber wollen es nicht weiter nutzen.

Neue Produkte wachsen, wenn man einige „Early Adopter“ erreicht und sie davon überzeugt, die Antwort auf all ihre Gebete zu haben. Man muss also nicht die 90% überzeugen, die eine andere Weltsicht haben, sondern die 10% mit einer passenden Weltsicht. Wenn 10% von dem Produkt oder dem Service überzeugt sind, dann erzählen sie es den restlichen 90%.

4. Die Leute mochten das Produkt, aber sie haben es ihren Freunden nicht erzählt.

Warum nicht? Aufgrund ihrer Weltsicht. Ob eine Geschichte sich schnell verbreitet oder nicht hängt davon ab, ob Leute sich dabei wohlfühlen, wenn sie die Geschichte mit anderen teilen. Man muss eine Geschichte erfinden, bei der die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie zu einem Ideenvirus wird und sich leicht ausbreitet.

Was muss man bei all dem beachten?

Man darf dem Kunden keine Geschichte erzählen, die nicht stimmt. Wenn der Kunde das Produkt oder den Service erfährt, muss sich die Geschichte bewahrheiten – sonst fühlt er sich betrogen. Nur eine wahre Geschichte erzählt der Kunde weiter (an Freunde, Bekannte, Kollegen, etc.).

Was braucht man also für erfolgreiches Marketing?

Zuallererst braucht man ein gutes Produkt, weil sich darum leichter eine gute Geschichte stricken lässt, die sich auch bewahrheitet. Dann muss man eine eine fruchtbare Gruppe von Menschen finden, die dafür sorgt, dass die Geschichte sich verbreitet. Wenn die Geschichte sich einfach weitererzählen lässt und die Menschen, die sie hören, glauben, dass die Geschichte es Wert ist weitererzählt zu werden, dann wird sie sich verbreiten. Das Schwierige dabei ist, die richtige Gruppe von Menschen zu identifizieren und ihnen die richtige Geschichte zu erzählen.

Fazit

Marketing mit Erlaubnis der Kunden wirkt besser als Spam. Wünsche erfüllende, persönliche und relevante Werbung für Menschen, die sie haben wollen ist immer effektiver, als Fremde laut anzuschreien.

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#4: Die Motivation: Geld oder Liebe?

 „Ja, das Gold regiert die Welt.
Sie baut Throne,
Gott zum Hohne, der Macht,
die sie gefesselt hält.“ 

– Georg Henisch (1616)

Dieses Zitat hat seine Gültigkeit nach fast 400 Jahren nicht verloren. Zwar wurde aus Gold Geld, doch regieren tut es noch immer. Nicht nur die Welt, sondern auch in einem Großteil der Seminare an unserer Hochschule. Doch ist Geld als Antrieb für die Gründung und Führung eines Unternehmens hilfreich und zielführend?

Die Engpasskonzentrierte Strategie (EKS) von Wolfgang Mewes  

Einige Zeit vor meinem Studium bin ich auf die von Wolfgang Mewes entwickelte Engpass-konzentrierte Strategie (EKS) gestoßen, ohne die ich wahrscheinlich auch nicht hier gelandet wäre. Die EKS ist Ergebnis einer Analyse mehrerer Tausend besonders erfolgreicher Führungskräfte und Unternehmen. Der Erfolg dieser Menschen beruht danach im Wesentlichen auf den folgenden 4 Prinzipien:

1. Konzentration statt Verzettelung

„Statt viele Probleme gleichzeitig und oberflächlich zu lösen fördert die EKS die Konzentration der Kräfte und die Entwicklung in die Tiefe der Probleme und Zusammenhänge.“ Wer sich spezialisiert und seine Kräfte konzentriert hat Erfolg.

2. Minimumprinzip

Das Minimumprinzip beantwortet die Frage „Wo liegt der wirkungsvollste Ansatzpunkt für den Einsatz meiner Kräfte?“ Märkte und Unternehmen sind vernetzte und komplexe Systeme. Löst man das Kernproblem, bzw. den zentralen Engpass innerhalb eines vernetzten Systems, so werden in der Folge viele kleine Probleme gelöst, die damit zusammenhängen.  

3. Immaterielle vor materiellen Vorgängen

Dieses Prinzip beschreibt, dass alles Materielle seine Wurzel im Immateriellen hat. Ein Beispiel: Wenn ich mir ein Bier kaufen möchte, dann tue ich das ja nicht, weil es etwas kostet. Sondern genau andersherum: Weil ich ein Bier haben möchte kostet es etwas. Nicht das Angebot bestimmt die Nachfrage, sondern die Nachfrage bestimmt das Angebot.  Heißt also auch: Wenn keiner Bier haben wollte, dann würde es nichts kosten. Klingt schön, wäre aber egal: Man hätte ja gar keine Lust drauf! 😉 Doch zurück zur Kern-Aussage des Prinzips: „Je besser man immaterielle Vorgänge erkennt und beeinflusst, desto besser sind auch die materiell-finanziellen Ergebnisse.“

4. Nutzen- vor Gewinn-Maximierung

Wer sich das Ziel setzt, den Nutzen für seine Zielgruppe zu steigern, der erhält in der Folge auch einen höheren Gewinn. Denn wenn die Zielgruppe einen höheren Nutzen in einer Leistung sieht, dann ist sie auch bereit, mehr dafür zu bezahlen.

Was sind die negativen Folgen des einseitigen Gewinnstrebens?

Die Folgen der klassischen BWL-Denkweise, welche Profitmaximierung als das oberste Ziel ausruft, führt nicht nur weniger wahrscheinlich zu Erfolg, sondern hat auch zahlreiche weitere negative Auswirkungen auf unsere Gesellschaft:

  • Das Allgemeinwohl kommt zu kurz
  • Beziehungen werden rein funktional
  • Menschliche Werte verschwinden
  • Beziehungen zu Kunden werden Mittel zum Zweck

Was war die Motivation erfolgreicher Gründer?

Richard Branson, der Gründer der Virgin Group fing mit einem Magazin an. Seine Motivation?

„I set up this magazine called Student when I was 16, and I didn’t do it to make money – I did it because I wanted to edit a magazine. There wasn’t a national magazine run by students, for students. I didn’t like the way I was being taught at school. I didn’t like what was going on in the world, and I wanted to put it right.“

Wie wenig Richard Branson sich für Geld interessiert zeigt übrigens auch diese Anekdote:

„And we built Europe’s maybe largest private group of companies and age 50 I was in a board meeting, and I said something like, „Is that good news or bad news?“ And I could see a director smile from the other side of the table. And he took me out of the room and said, „Richard, I don’t think you know the difference between net and gross.“ And I said… Well, you know, I didn’t want to admit the fact. And he said, „Well, look, let me just help you.“ So he pulls out a bit of paper and he draws the sea, and then he puts a net in the sea, and then he says, „The fish in the net, now that’s your profit at the end of the year, and the rest of the sea, those fish that aren’t in your net, that’s your turnover.“ And I got it.“

Und Steve Jobs kennt zwar den Unterschied zwischen Netto und Brutto, aber dieses Zitat aus der Biographie von Walter Isaacson könnte auch ein Zitat aus der EKS-Strategie sein.

„My passion has been to build an enduring company where people were motivated to make great products. Everything else was secondary. Sure, it was great to make a profit, because that was what allowed you to make great products. But the products, not the profits were the motivation. […] It’s a subtle difference, but it ends up meaning everything: the people you hire, who gets promoted, what you discuss in meetings.“ 

Fazit 

Liebe siegt ganz klar und zu null über das Geld (auch aufgrund einiger Eigentore).

Oder glaubt jemand, dass Geld zumindest einen Ehrentreffer geschossen hat?

#3: Wo findet man Sinn-volle Startup-Ideen?

“Business has to be involving.
It has to be fun.
And it has to exercise your creative instincts.”

– Richard Branson

In meinen letzten Blog-Artikeln haben wir festgestellt, dass man – um ein innovatives Startup zu gründen – eine Person werden sollte, die gute Startup-Ideen hat (#1) und sich dazu zunächst einmal fragen sollte, was man selbst als Sinn-voll erachtet (#2).

Worin eine Person Sinn sieht, ergibt sich aus ihrer Vergangenheit – also der Art und Weise, wie man aufgewachsen ist und welche Erfahrungen man im Leben gemacht hat. Weil das etwas sehr Individuelles ist, kann der Prozess des Herausfindens nicht im herkömmlichen Sinne gelehrt, sondern nur durch Gespräche (wie bei der Logotherapie durch sokratische Fragen – siehe meinen vorherigen Blog-Artikel) oder inspirierende Modelle oder Beispiele unterstützt werden.

Interessanterweise beschäftigen sich neben Viktor Frankl (Logotherapie) gleich mehrere Personen aus verschiedensten Bereichen mit genau dieser Frage nach dem individuellen Sinn. Ich werde diese Ansätze nur kurz vorstellen, aber wenn Euch etwas interessiert, könnt ihr über die weiterführenden Links mehr erfahren.

Simon Sinek stellt in seinem TED-Talk und seinem Buch „Start With Why: How Great Leaders Inspire Everyone to Take Action“ das „Warum?“ einer Person in den Mittelpunkt. Und die Antwort auf die Frage, „Warum man tut, was man tut?“ ergibt nichts anderes als den Sinn, den man in einer Sache sieht.

Sir Ken Robinson spricht in seinem Buch „The Element – How Finding Your Passion Changes Everything“ von Menschen, die ihr Element gefunden haben. Das Element definiert er als den Punkt, an welchem natürliche Begabung und persönliche Leidenschaft aufeinandertreffen.

Jim Collins, den Prof. Dr. Junge im Seminar erwähnte, beschreibt in seinem Buch „Good to Great: Why Some Companies Make the Leap… and Others Don’t“ das „Hedgehog Concept“, welches aus drei Kreisen besteht, die sich überlappen:

Neben den beiden Kreisen „passion“ (Leidenschaft) und „skill“ (Talent), die wir auch bei Sir Ken Robinson finden, enthält dieses Konzept auch einen Kreis für „profit“. Danach sind Unternehmen (und damit Personen) dort am Erfolgreichsten, wo alle drei Kreise sich überlappen.

Ich glaube, dass Simon Sinek, Sir Ken Robinson und Jim Collins lediglich unterschiedliche Phänomene beschreiben, die alle auf die selbe Ursache zurückzuführen sind: Dass Menschen dann am erfolgreichsten sind, wenn sie in dem was sie tun einen hohen Sinn erfahren. Und schaut man sich Biographien von Gründern wie Steve Jobs, Richard Branson oder Götz Werner an, dann bestätigt sich diese These.

In welchen Situationen hast Du das Gefühl, etwas Sinn-volles zu tun?

Warum tust Du, was Du tust?

Wann treffen bei Dir natürliche Begabung und Leidenschaft aufeinander?

Kannst von dem, was Du gerne tust und dem, worin Du gut bist vielleicht auch leben?

Können Dir Gespräche mit anderen dabei helfen, diese Fragen zu beantworten? Oder kannst Du ihnen helfen?

In meinen nächsten Blog-Artikeln möchte ich darauf eingehen, warum es Sinn-voll ist sich als Gründer eines innovativen Startups solche Fragen zu stellen.

#2: Was hat Psychologie mit guten Startup-Ideen zu tun?

“Those who have a ‚why‘ to live,
can bear with almost any ‚how‘.”

– Viktor E. Frankl

In meinem letzten Blog-Artikel haben wir festgestellt, dass man – um ein innovatives Startup zu gründen – eine Person werden sollte, die gute Startup-Ideen hat.

Was das mit Psychologie zu tun hat? Wenn die eigene Persönlichkeit ausschlaggebend ist für gute Startup-Ideen, dann ist es hilfreich zu wissen wie man tickt. Aber keine Angst: Ich möchte mich hier nicht als Hobby-Psychologe versuchen, sondern nur Denkanstöße geben.

Über das Buch „Man‘s Search for Meaning“ des Psychologen Viktor Frankl bin ich über den von ihm entwickelten Ansatz der Logotherapie (auch Existenzanalyse genannt) gestolpert. Dabei handelt es sich um eine psychotherapeutische Methode, die davon ausgeht, dass die stärkste Motivation und treibende Kraft im Leben eines Menschen das Streben nach Sinn ist.

Viktor Frankl, 1905 in Österreich geboren, wurde 1942 aufgrund seiner jüdischen Herkunft von den Nazis in ein Konzentrationslager deportiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Grundzüge seiner Theorie bereits entwickelt.

Im ersten Teil des eben erwähnten Buches beschreibt und analysiert er das Leben unter den extremen Bedingungen eines Konzentrationslagers. Im zweiten Teil stellt er seine Vorstellungen von Sinn und seine Theorie der Logotherapie vor und beweist dessen Richtigkeit anhand seiner Beobachtungen im Konzentrationslager.

Im Gegensatz zur Freud‘schen Psychoanalyse wird bei der Logotherapie der Blick weniger in eine traumatische Vergangenheit gerichtet, sondern im Gegenteil auf die Möglichkeit einer positiven Zukunft verwiesen.

Ziel bei der Logotherapie ist es, psychische Erkrankungen zu heilen, indem der Therapeut dem Patienten in Gesprächen dabei hilft, einen Sinn im eigenen Leben zu finden. Dabei stehen die Individualität des Patienten und dessen Anliegen im Vordergrund.

Angenommen das Streben nach Sinn ist das Fundament menschlichen Handelns und jeder hat aufgrund seiner Biographie eine ganz eigene, individuelle Antwort auf diese Frage – dann wird klar, dass gute Startup-Ideen nur in Abhängigkeit von der Person gut sind, die sie hat.

Eine Startup-Idee, die für eine Person Sinn macht, kann für eine andere Person Sinn-los sein und schlichtweg nicht funktionieren, da die Entscheidungen, welche diese Person bei der Umsetzung der Idee trifft, nicht im Einklang mit den Annahmen stehen, aufgrund derer die Idee geboren wurde.

Das wiederum heißt für jeden Einzelnen, dass man selbst der Quell guter Ideen ist. Die Orte, an denen man persönlich den meisten Sinn erfährt, dürften daher eine gute Fundgrube für Startup-Ideen sein.

Die Frage ist dann: Wie findet man heraus, wo man selbst Sinn erfährt?

Darum wird es im nächsten Blog-Artikel gehen.

#1: Wie gründet man ein innovatives Startup?

„The way to have good startup ideas
is to become the sort of person who has them.“

– Paul Graham

Wer von Euch kennt das? Man hat eine innovative Startup-Idee, ist total begeistert davon und stürzt sich Hals über Kopf in die Arbeit – nur um irgendwann in einer Sackgasse zu landen, einfach nicht weiterzukommen und schließlich aufzugeben. Mir selbst ist das ein paar Mal passiert und ich kenne jede Menge Leute, denen es ähnlich geht. Deshalb möchte ich in diesem Blog der Frage nachgehen, wie man die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs einer Idee erhöhen kann.

Auf die Frage wie man ein innovatives Startup gründet, haben wir in diesem Blog schon mehrere Antworten lesen können:

Gründer müssen ehrgeizig und gut gebildet sein und viel netzwerken.

Außerdem brauchen sie ein gutes Teamden richtigen Führungsstil und müssen wissen, welche Kennzahlen wichtig sind.

Das Geschäftsmodell sollte sie optimieren, bis Product/Market-Fit erreicht wurde  und dann hoffen, dass es gut skaliert.

Schließlich werden die Prozesse analysiert und optimiert und so die Voraussetzungen für erfolgreiches Wachstum geschaffen.

All diese Faktoren sind natürlich unheimlich wichtig und für die Beratung der Unternehmen innerhalb unseres Seminares sicherlich hilfreich. Aber wird dadurch aus einer schlechten Startup-Idee ein erfolgreiches Unternehmen? Und wie sollte man vorgehen, wenn man selbst etwas gründen möchte?

Letztlich sind die oben beschriebenen Fähigkeiten und Ansätze, sowie ein Großteil des BWL-Wissens, welches an Hochschulen vermittelt wird, doch nichts anderes als Werkzeuge. Und diese Werkzeuge sind nur dann nützlich und praktikabel, wenn man weiß, was es sich damit zu bauen lohnt.

Nur wie findet man heraus, welche Startup-Idee es wert ist verfolgt zu werden?

Paul Graham, u. a. Gründer des Startup-Inkubators Y Combinator, sagt in seinem (sehr lesenswerten) Essay „How to Get Startup Ideas“ zunächst einmal, was man NICHT tun sollte: Über Startup-Ideen nachdenken. Besser ist es, über Probleme nachzudenken, die man selber hat. Doch auch das garantiert noch nicht, dass die Startup-Idee auch gut ist. Paul Graham empfiehlt daher folgendes:

„Um gute Startup-Ideen zu entdecken, muss man die Person werden, die gute Startup-Ideen hat – und dann bauen, was auch immer einen interessiert.“

Diese Antwort mag auf Anhieb sehr unbefriedigend klingen, ist aber empirisch korrekt und bei näherer Betrachtung durchaus sinnvoll. Denn dadurch wird die individuelle Persönlichkeit des Gründers und dessen Intuition ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Der Gründungsprozess fängt damit nicht mehr bei den Fähigkeiten, dem Wissen oder der Idee an, sondern bei einem selbst. Und das ist letztlich der Ausgangspunkt eines jeden erfolgreichen Unternehmens: die Person, die es gründet.

Wenn aus der Person heraus eine gute Startup-Idee und ein Prototyp organisch erwachsen, dann erhalten die Werkzeuge (die man meist ohnehin erlernen kann) in diesem Kontext auch ihren Zweck und führen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zum Erfolg.

Die Frage ist also: Wie wird man eine Person, die gute Startup-Ideen hat?

Darum soll es in meinen nächsten Blog-Artikeln gehen.