Berlin vs. Silicon Valley

Berlin rückt weltweit immer mehr in den Fokus geschäftstüchtiger Entrepreneure. Inspiriert von diesem Blogpost und bedingt dadurch, dass ich in Berlin lebe und unser zu beratendes Unternehmen sich ebenso in Berlin befindet, möchte ich das Thema ein wenig genauer unter die Lupe nehmen und die hiesige Startup-Landschaft analysieren. Dabei bietet sich natürlich ein Vergleich mit dem Mekka aller Entrepreneure an: das Silicon Valley in den USA.

Als Grundlage soll hierfür der „Startup Ecosystem Report 2012“ dienen, der im Rahmen des Forschungsprojekts „Startup Genome“ erstellt wurde.

Der Globale Startup Ökosystem Index

Im weltweiten Ranking, welches sich aus sieben verschiedenen Teilbewertungen (s.u.) zusammensetzt, belegt Berlin den 15. Rang. Als Maßstab gilt hier – wie soll es anders sein – das Silicon Valley (1. Rang).

Die Teilbewertungen dazu kurz zusammmengefasst:

  • Startup Output Index – gibt die Startup-Aktivitäten im Verhältnis zur gesamten Bevölkerung wieder
  • Funding Index – wieviel Risikokapital wird vergeben? in welcher Höhe?
  • Company Performance Index – gibt die Erfolgsergebnisse anhand verschiedener Variablen wieder (z.B. geschaffene Arbeitsplätze, Umsatz etc.)
  • Mindset Index – gibt wieder, wie gut sich die Gründer in der Region mental als Entrepreneure eignen bzw. die passende Geisteshaltung annehmen
  • Trendsetter Index – misst, wie schnell neue Technologien und Geschäftsmodelle adaptiert werden
  • Support Index – wie sehr werden (potentielle) Gründer durch Mentoren/Business Angels etc. unterstützt?
  • Talent Index – soll das Talent der Gründer messen, indem dazu die Biografien der Gründer analysiert und Faktoren wie Alter, Bildung und Berufserfahrung einbezogen werden

Aus meiner Sicht könnten die einzelnen Indizes ein gutes gesamtheitliches Bild zeichnen, jedoch ist fraglich wie gut sich manch subjektive Faktoren zur Bewertung eignen. Aber das nur am Rande. Hier das Ergebnis:

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Aber was bedeutet das für uns (zukünftige) Gründer?

„Entrepreneurs Perspective“ und persönliches Fazit

Auch hier gibt der Report eine Antwort:

„Early successful entrepreneurs (turned business angels) now pump their back capital into a burgeoning scene. New Berlin entrepreneurs share their know how and experiences among each other, but lack significant support from advisors and mentors. In terms of living cost and lifestyle, Berlin might be the best place to start a company right now. However, for scaling it, Berlin startups might consider relocating as the ecosystem is not mature enough in terms of capital, support infrastructure, and mindset.“

Genau das spiegelt wieder, wie ich es auch persönlich zur Zeit subjektiv erlebe: Berlin wird gehyped und in Europa immer ernster genommen. Wir orientieren uns sehr stark an den vorgelebten Idealen in den USA (Copycat-Mentalität). Dennoch reichen die verfügbaren Infrastrukturen noch nicht aus um weltweit konkurrenzfähig zu sein, insbesondere eben zu den USA. Ein Grund dafür liegt sicherlich auch in der bisherigen Mentalität bzw. in der Einstellung zur Selbständigkeit. Doch wir sind auf einem guten Weg.  Wie bereits beschrieben gibt es hier in den letzten Jahren bereits signifikante Änderungen, was ich persönlich sehr begrüße.

Doch vielleicht ist die Orientierung an den amerikanischen Idealen nicht der erfolgsversprechendste Weg, auch wenn er auf der Hand liegt. Hier stimme ich mit folgender Aussage im Report überein:

„Since Silicon Valley is the #1 ecosystem it is assumed that other ecosystems will perform better if they differentiate themselves from Silicon Valley and establish their own strengths.“

Erfolgsbeispiel Tel Aviv

Diesen Weg ist Tel Aviv gegangen. Auch wenn vermutlich noch kein zweites Facebook in Israel entstanden ist, hat man sich auf seine Stärken konzentriert und diese konsequent ausgebaut: viele Startups kommen auf den Markt, die Investorenlandschaft ist gut ausgeprägt und das ganze wird gestützt durch eine gesunde Unternehmerkultur.

In diesem Sinne sollte aus meiner Sicht Berlin versuchen, sich mehr auf sich selbst zu besinnen und weniger Richtung Amerika zu schauen.

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4 Gedanken zu „Berlin vs. Silicon Valley

  1. sarah sagt:

    Besonders das erste Zitat kann ich so nur bestätigen und teile voll und ganz deine Meinung. Die Ideen sind da, nur zu wenige Investoren, die auch willig sind in Seedphasen zu investieren. Immer wieder: „Wir investieren erst bei Traktion“ oder „Zeigt mal KPI’s“. Wie soll man zu denen kommen, wenn man nur geringe finanzielle Mittel hat, um die Anfangsphase zu überwinden. Meine Erfahrung: Nicht mal die Idee ist ausschlaggebend. Da kann eine Armada von Business Angels bestätigen, dass das funktioniert! Sondern die gezeichnete (spekulative) Größe des angepeilten Zielmarktes. Je größer desto besser. Ob die Zahlen stimmen ist nachrangig. RENDITE RENDITE RENDITE.
    Nicht das wir entmutigt wären! Aber es ist eben sehr schwer.
    Auch einen weiteren Punkt teile ich: Die fehlende Akzeptanz in der Gesellschaft. Habt ihr schon mal euren Eltern erzählt „Hey, ich gründe. Ich schmeiße mein ganzes Kapital und das Geld von ein paar Freunden in eine Idee. Keine Angst, die Idee funktioniert! WIRKLICH!!“
    Noch nicht erlebt? Viel Spaß. Guter Tipp: Nehmt eine Kamera mit und drückt genau in dem Moment ab, wenn ihr den Satz beendet habt. Ähnliche Reaktionen findet ihr in einem weiten Teil der Bevölkerung – eben weil Unternehmertum nicht wirklich der deutschen Mentalität entspricht (Oh man, ich sehe den Feuersturm der Entrüstung anrollen).

  2. bjoernlefers sagt:

    Bzgl. der fehlenden Akzeptanz in der Gesellschaft würde ich gerne noch ergänzen, dass das meiner Meinung nach vor allem auch ein Kultur-Problem in Deutschland ist. Der amerikanische Traum, sich vom Tellerwäscher zum Millionär hocharbeiten zu können ist dort sehr stark in der Gesellschaft verankert. Sich selbständig zu machen wird dort gesellschaftlich viel stärker akzeptiert. Und auch wenn Menschen dabei scheitern wird ihnen in den USA eher auf die Schulter geklopft, weil sie es versucht haben, wohingegen in Deutschland der Finger auf einen gerichtet wird und die Leute sage: Ich hab’s Dir doch gesagt. Dass man aber scheitert und aus Fehlern lernt ist gerade bei Startup-Gründungen unheimlich wichtig. Ich hoffe, dass sich in Berlin mit dem starken Zulauf von Menschen aus aller Herren Länder eine ähnliche Kultur entwickeln wird!

    Und bzgl. Tel Aviv fällt mir noch ein interessanter Aspekt ein, auch weil einer meiner Mitbewohner Israeli ist: Dort ist jeder (Frauen und Männer) verpflichtet 3 Jahre zum Militär zu gehen und wird nach dieser Zeit in unregelmäßigen Abständen wieder für einen Monat eingezogen. In dem Buch Imagine ( http://www.amazon.com/Imagine-Creativity-Works-Jonah-Lehrer/dp/184767786X/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1360924162&sr=8-2&keywords=imagine ) schreibt der Autor Jonah Lehrer, dass dies ein wichtiger Aspekt für die florierende israelische Startup-Szene ist. Denn für Kreativität ist ein großes loses Netzwerk sehr wichtig und dadurch, dass Menschen immer mal wieder durch das Militär auf andere Personen stoßen, die sie vorher nicht kannten erweitert sich ihr Netzwerk stetig und sie bleiben nicht in ihrem isolierten Umfeld. Und dass sagt in dem Buch nicht irgendwer, sondern der israelische Gründer von ICQ ( http://en.wikipedia.org/wiki/ICQ ), an dass ihr Euch sicherlich noch erinnern werdet.

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