#4: Die Motivation: Geld oder Liebe?

 „Ja, das Gold regiert die Welt.
Sie baut Throne,
Gott zum Hohne, der Macht,
die sie gefesselt hält.“ 

– Georg Henisch (1616)

Dieses Zitat hat seine Gültigkeit nach fast 400 Jahren nicht verloren. Zwar wurde aus Gold Geld, doch regieren tut es noch immer. Nicht nur die Welt, sondern auch in einem Großteil der Seminare an unserer Hochschule. Doch ist Geld als Antrieb für die Gründung und Führung eines Unternehmens hilfreich und zielführend?

Die Engpasskonzentrierte Strategie (EKS) von Wolfgang Mewes  

Einige Zeit vor meinem Studium bin ich auf die von Wolfgang Mewes entwickelte Engpass-konzentrierte Strategie (EKS) gestoßen, ohne die ich wahrscheinlich auch nicht hier gelandet wäre. Die EKS ist Ergebnis einer Analyse mehrerer Tausend besonders erfolgreicher Führungskräfte und Unternehmen. Der Erfolg dieser Menschen beruht danach im Wesentlichen auf den folgenden 4 Prinzipien:

1. Konzentration statt Verzettelung

„Statt viele Probleme gleichzeitig und oberflächlich zu lösen fördert die EKS die Konzentration der Kräfte und die Entwicklung in die Tiefe der Probleme und Zusammenhänge.“ Wer sich spezialisiert und seine Kräfte konzentriert hat Erfolg.

2. Minimumprinzip

Das Minimumprinzip beantwortet die Frage „Wo liegt der wirkungsvollste Ansatzpunkt für den Einsatz meiner Kräfte?“ Märkte und Unternehmen sind vernetzte und komplexe Systeme. Löst man das Kernproblem, bzw. den zentralen Engpass innerhalb eines vernetzten Systems, so werden in der Folge viele kleine Probleme gelöst, die damit zusammenhängen.  

3. Immaterielle vor materiellen Vorgängen

Dieses Prinzip beschreibt, dass alles Materielle seine Wurzel im Immateriellen hat. Ein Beispiel: Wenn ich mir ein Bier kaufen möchte, dann tue ich das ja nicht, weil es etwas kostet. Sondern genau andersherum: Weil ich ein Bier haben möchte kostet es etwas. Nicht das Angebot bestimmt die Nachfrage, sondern die Nachfrage bestimmt das Angebot.  Heißt also auch: Wenn keiner Bier haben wollte, dann würde es nichts kosten. Klingt schön, wäre aber egal: Man hätte ja gar keine Lust drauf! 😉 Doch zurück zur Kern-Aussage des Prinzips: „Je besser man immaterielle Vorgänge erkennt und beeinflusst, desto besser sind auch die materiell-finanziellen Ergebnisse.“

4. Nutzen- vor Gewinn-Maximierung

Wer sich das Ziel setzt, den Nutzen für seine Zielgruppe zu steigern, der erhält in der Folge auch einen höheren Gewinn. Denn wenn die Zielgruppe einen höheren Nutzen in einer Leistung sieht, dann ist sie auch bereit, mehr dafür zu bezahlen.

Was sind die negativen Folgen des einseitigen Gewinnstrebens?

Die Folgen der klassischen BWL-Denkweise, welche Profitmaximierung als das oberste Ziel ausruft, führt nicht nur weniger wahrscheinlich zu Erfolg, sondern hat auch zahlreiche weitere negative Auswirkungen auf unsere Gesellschaft:

  • Das Allgemeinwohl kommt zu kurz
  • Beziehungen werden rein funktional
  • Menschliche Werte verschwinden
  • Beziehungen zu Kunden werden Mittel zum Zweck

Was war die Motivation erfolgreicher Gründer?

Richard Branson, der Gründer der Virgin Group fing mit einem Magazin an. Seine Motivation?

„I set up this magazine called Student when I was 16, and I didn’t do it to make money – I did it because I wanted to edit a magazine. There wasn’t a national magazine run by students, for students. I didn’t like the way I was being taught at school. I didn’t like what was going on in the world, and I wanted to put it right.“

Wie wenig Richard Branson sich für Geld interessiert zeigt übrigens auch diese Anekdote:

„And we built Europe’s maybe largest private group of companies and age 50 I was in a board meeting, and I said something like, „Is that good news or bad news?“ And I could see a director smile from the other side of the table. And he took me out of the room and said, „Richard, I don’t think you know the difference between net and gross.“ And I said… Well, you know, I didn’t want to admit the fact. And he said, „Well, look, let me just help you.“ So he pulls out a bit of paper and he draws the sea, and then he puts a net in the sea, and then he says, „The fish in the net, now that’s your profit at the end of the year, and the rest of the sea, those fish that aren’t in your net, that’s your turnover.“ And I got it.“

Und Steve Jobs kennt zwar den Unterschied zwischen Netto und Brutto, aber dieses Zitat aus der Biographie von Walter Isaacson könnte auch ein Zitat aus der EKS-Strategie sein.

„My passion has been to build an enduring company where people were motivated to make great products. Everything else was secondary. Sure, it was great to make a profit, because that was what allowed you to make great products. But the products, not the profits were the motivation. […] It’s a subtle difference, but it ends up meaning everything: the people you hire, who gets promoted, what you discuss in meetings.“ 

Fazit 

Liebe siegt ganz klar und zu null über das Geld (auch aufgrund einiger Eigentore).

Oder glaubt jemand, dass Geld zumindest einen Ehrentreffer geschossen hat?

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7 Gedanken zu „#4: Die Motivation: Geld oder Liebe?

  1. godiwajung sagt:

    Entgegengesetzt der so breit verbreiteten Meinung, der Mensch (ob Mitarbeiter, Kunde, Lieferant oder sonstiger Stakeholder) sei das Mittel und die Unternehmung sei der Zweck hat Götz Werner eine andere Meinung. Ich stimme ihm vollkommen und noch mehr zu:

    Götz W. Werner: «Das ist eine Kopernikanische Wende, ein Erkenntnisdurchbruch. Wenn ich der Meinung bin – und das ist die gängige Meinung – der Zweck des Unternehmens sei die Hervorbringung einer Leistung, und das Mittel dafür seien die Menschen, die man halt einstellen muss, Maschinen oder Menschen seien die Werkzuge dafür, dann ist der Mensch Werkzeug, dann ist er Mittel. Dann hat er auch zu lernen. Aber nur in dem Sinne, dass er als Werkzeug für den Zweck des Unternehmens, nämlich die Hervorbringung eines ganz bestimmten Ergebnisses, besser geeignet ist. Das ist die gängige Anschauung rund um die Welt. Die Veränderung der Denkbewegung bei mir war, dass mir klar geworden ist: es ist genau umgekehrt! Der Mensch ist der Zweck! Und dass wir eine Dienstleistung hervorbringen, ist das Mittel dafür, um diesen Zweck zu erfüllen. Dann haben sie nicht nur die Begriffe umgedreht, sondern dann sind sie auf einem anderen Planeten. Da ist die Welt nicht mehr eine Scheibe, sondern da ist sie plötzlich rund. Und es entstehen andere Möglichkeiten. Und dann muss man sich sagen: wenn das so ist, ist immer der Zweck, dass Menschen dadurch, dass sie bei uns im Unternehmen tätig sind, Biografie schreiben können. Dass Menschen dadurch, dass sie bei uns einkaufen, ihre Bedürfnisse besser befriedigen. Dass Menschen dadurch, dass sie uns beliefern, ihre Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Man muss sich nur vom einen Bein aufs andere stellen, plötzlich sieht die Welt anders aus. Was ist Zweck und was ist Mittel, wenn man sich da irrt, falsch tippt, kommt man zwangsläufig zu anderen Verhaltensweisen. Wenn man da richtig trifft, hat das zwangsläufig zur Folge, dass gewisse Dinge dann nicht mehr gehen. Ein hierarchisches Prinzip kann ich konsequenterweise aufbauen – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – wenn ich der Meinung bin, der Mensch sei das Mittel. Dann kommt eine Armeestruktur dabei raus. Wenn ich sage, der Mensch ist der Zweck, kann ich nicht mehr auf eine hierarchische Struktur kommen.»

    Die Liebe, der Sinn und die Begeisterung für eine Unternehmung gewinnt meiner Meinung nach immer. Schon alleine für persönliche Weiterentwicklung!

    Spannend auch in dem ganzen Zusammenhang, dass Geld das einzige Tabuthema ist, was bis heute noch Bestand hat…

  2. […] dem WARUM ist nicht Gewinn-,  sondern Nutzen-Maximierung gemeint. Das WARUM bezeichnet also die Ursache, das Motiv oder die Überzeugung einer […]

  3. sarah sagt:

    Ob Geld oder Liebe siegt, da kann man schlussendlich doch unterschiedlicher Meinung sein. Sicher ist, dass Passion immer eine gute Triebfeder ist. Aber ohne Umsatz gehts halt nicht, oder? Meinung nach wird dieser Punkt leider immer stiefmütterlich behandelt. In einem Unternehmen kann noch so viel Herzblut drin hängen: Wenn ich mich davon nicht bezahlen kann, dann läufts irgendwie nicht!

  4. […] Doch der Austausch eines CEO‘s ist „wie eine Hirn-Transplantation“ und mit dem Abschied von Steve Jobs verschwand auch das WARUM von Apple. John Sculley war stärker an Profit-, denn an Nutzen-Maximierung interessiert. […]

  5. Benjamin Berndt sagt:

    Sarah, da kann ich dir nur zustimmen. Nur wenn man vollstens hinter seiner Idee steht und gleichzeitig ein Gespür für die Möglichkeiten der Ertragsgewinnung hat, hat man gute Chancen weit zu kommen!

  6. bjoernlefers sagt:

    Danke für die Kommentare!

    @Sarah & Benjamin: Natürlich braucht man beides. Auf einem Bein kann man nicht stehen. Es geht viel mehr darum, was von beidem man leicht priorisiert. Letztlich kann man sich als Entscheider in einem Unternehmen zwei Fragen stellen:

    1. Wie kann ich mehr Geld machen?
    2. Wie kann ich mehr Nutzen stiften?

    Welche Möglichkeiten zu handeln hast Du bei der ersten Frage?
    Und welche Möglichkeiten zu handeln hast Du bei der zweiten Frage?

    Die erste Frage kann dazu führen, dass man effizienter wird, indem man z. B. Mitarbeitern mehr Arbeit zumuten, ihnen kündigt, günstigere Materialien einkauft usw. Die Gefahr dabei ist, dass im selben Zuge möglicherweise das Produkt schlechter wird. Oder es kommt zu einem Image-Schaden, weil man Mitarbeiter unfair behandelt.

    Bei der zweiten Frage tritt man in einen Dialog mit dem Kunden, um zu erfahren, wie man mehr nutzen stiften kann. So entwickelt man ein besseres Produkt und in der Folge steigen auch die Gewinne – weil das Produkt gut ist.

    Wenn man sich darauf konzentriert hohen Nutzen zu stiften, bzw. ein tolles Produkt zu bauen, welches Menschen wirklich weiterhilft, dann macht man damit also auch Geld.

  7. […] – hat der Gründer den nötigen Bezug zum Produkt um auch in schweren Zeiten committed zu bleiben? Oder langweilt das Thema schon auf den […]

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