Gründereigenschaft Anthroposophie

Das Leben ist kein Ponyhof ! – und auch keine Waldorfschule ?

Immer wieder stellt sich die Frage, ob ein Gründer betimmte Eigenschaften für eine innovative und erfolgreiche Gründung aus dem Elternhaus oder sogar genetisch mitbringen muss. Man versucht die wichtigsten Eigenschaften herauszufinden und diese zu kategorisieren, um dann in einem Test möglichst schnell herauszufinden, ob man diese erfüllt und somit ein Gründertyp ist oder nicht.

Muss ein Gruender diese ermittelten Eigenschaften wirklich mitbringen? Inwiefern kann er sie erlernen? Welche Fähigkeiten bringen ehemalige Waldorfschüler in dieser Hinsicht mit? Und was treibt erfolgreiche Gründer sowie andere unternehmerische Berühmtheiten dazu ihre Kinder auf eine freie Waldorfschule zu schicken?
An dieser Stelle würden Waldorfschüler wahrscheinlich erstmal ein Bild malen und ein Lied dazu singen…

Ich glaube nicht an Tests, die einem nach ein paar Minuten veraten, ob man nun ein Gründertyp ist oder nicht. Vielmehr  denke ich, dass bestimmte Fähigkeiten erlernt werden können. Gleichviel, ob es nun Motivationstechniken, Methoden zu “Creativ-Thinking” oder Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins und Durchsetzungsvermögens sind.

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Welche Eigenschaften sind es, die Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposofie und Waldorfschule sowie Visionär der Nachhaltigkeit, schon möglichst früh im Kind fördern wollte ? Außer der sog. Eurythmie, was wohl die meisten mit Waldorfschulen verbinden (JA, sie können ihren Namen tanzen! – Deinen auch!) wird auf der Waldorfschule noch einiges mehr gelernt. Natürlich der üblichen Schulstoff, der aufs Abi vorbereitet, aber eben auf eine andere Art und Weise. Die Schüler lernen aus einer gesunden Motivation heraus und nicht aufgrund eines Leistungsdrucks. Das Miteinander spielt eine große Rolle. Konkurrenzdenken wird weniger gefördert als Teamarbeit. Was nicht heißt, dass Menschen in dem Alter nicht auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Aber das kommt ja von ganz alleine. Die Schule fördert das, was in jedem veranlagt ist. Sie kitzelt das Soziale heraus. Das Denken ans Allgemeinwohl und die UmweltZukunftsdenken. Sie fördert Kreativität und künstlerische Fähigkeiten in vielen verschiedenen Bereichen. Sie fordert einen dazu heraus, erst einmal vorurteilsfrei in eine Situation zu gehen und stupst einen hin und wieder mit den Worten an: „Hey, gib dem Ganzen eine Chance. Später hast du noch genug Zeit zu urteilen“´. Nicht zuletzt fördert sie freies und eigenständiges Denken.

Sind dies nicht auch einige der wichtigen Eigenschaften, die einem Gründer zugute kämen? Richtig, wahrscheinlich eher innovativen (Social-) Entrepreneuren als rücksichtslosen Kapitalisten.

Stellt euch den Prototyp-Socialentrepreneur vor: Er denkt ans Allgemeinwohl und will langfristig einen positiven Wandel in der Gesellschaft bewirken. Er ist fair zu seinen Mitarbeitern. Er sieht sich Modelle an, ohne sie abzulehnen, nur weil sie neuartig ist – er kann und will neues denken, er ist innovativ. Und dann hat er natürlich ganz nebenbei noch das gewisse Etwas, diese Idee, die sein Unternehmen einzigartig macht.

Einige der folgenden Persönlichkeiten dürften auch Euch bekannt sein.

Ferdinand Alexander Porsche. Er hat das Porsche Design Studio gegründet, war Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates und  des Beirats der Porsche AG. Ach ja, Waldorfschüler war er auch.

Rafael Kugel, Gründer der Firmen RatioDrink AG, rapskernoel.info, boxenkleid.de und des Social Networks sailways.net. Er besuchte die Waldorfschule von der ersten bis zur 13. Klasse.

Genau wie Jennifer Aniston, eine der bekanntesten Schauspielerinnen, lebend in den USA. Sie teilt sich unser Treppchen mit Sandra Bullock, ebenfalls Schauspielerin.

Gründer von Alnatura, Götz Rehn, war ebenfalls Waldorfschüler (manche nehmen die „grüne“ Seite der Waldorfschule etwas ernster als andere).

Michael Rogowski, von 2001 bis 2004 Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Waldorfschüler.

Michael Ende kennen bestimmt auch einige. Momo, Die unendliche Geschichte sowie Jim Knopf  entstammen seiner Feder. Er war Waldorfschüler.

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Auch diese Geschichte würde unendlich werden, würde ich alle berühmten Persönlichkeiten mit anthroposophischen Hintergrund aufzählen. Macht euch selbst ein Bild: Liste der Ex-Waldorfschüler.
Ich bin mir sicher, dass nicht zuletzt ihre Schulbildung dazu beigetrage hat, dass sie heute erfolgreich sind.
Auch eine Welt gesehen zu haben, die gerade nicht so ist, wie man es sich für seine Kinder wünscht, kann dazu beitragen, eine Entscheidung zu treffen:

Einige der Top-Führungskräfte von Google, Apple, Yahoo and Hewlett-Packard, niedergelassen in der hi-tech-Schmiede Silicon Valley, schicken ihre Kinder ebenfalls auf eine „Steiner-school“. In dieser „exclusive Silicon Valley school“ gibt es keine Computer und es wird, wie auf allen Waldorfschulen, Wert auf körperliche und kreative Aktivitäten anstatt virtuellen Welten gelegt. HIER könnt Ihr einen empfehlenswerten Artikel dazu lesen.

Auch Beate Uhses Sohn kam in den Genuss, eine Waldorfschule zu besuchen. Gleiches gilt für die Kinder von Götz W. Werner, Gründer der dm-Drogeriemarktkette.

Meines Erachtens sind die hier aufgezeigten Eigenschaften, welche an Waldorfschulen ausdruecklich gefoerdert werden, sehr wertvoll für Gründer. Wer zum freien Denken  erzogen wird, hat ideale Grundvoraussetzungen sich nicht nur mutig hohe Ziele zu stecken, sondern diese auch voller Kraft voraus und selbstbewusst zu verwirklichen!

Ich ende hiermit mit einem Zitat vom Künstler Chief Chiller: „Waldorf war gut für mich, und so’n bisschen wär‘ auch gut für dich..“.

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3 Gedanken zu „Gründereigenschaft Anthroposophie

  1. bjoernlefers sagt:

    Toller Artikel – nicht nur inhaltlich, sondern wie ich finde auch echt unterhaltsam geschrieben! Mag aber auch an dem Waldorf-Song liegen, den ich nebenbei gehört habe… 😉

    Selber war ich zwar auf keiner Waldorfschule (hätte aber absolut nichts dagegen gehabt), doch jede Menge Freunde und Bekannte von mir (in England und Deutschland) sind dort groß geworden. Fast alle haben einen eher künstlerischen Beruf ergriffen (Fotografin, Architektin, Schauspielerin, Regisseurin, Entrepreneurin) und nur einer tanzt mit einem Ingenieursstudium ein wenig aus der Reihe. Und wo wir gerade beim Thema „tanzen“ sind: Eine Freundin hat mir auch mal gezeigt, wie ich meinen Namen tanzen kann, nur dummerweise habe ich das mittlerweile wieder vergessen.

    Bei all den Waldorf-Freunden von mir hatte ich immer das Gefühl, dass sie in Bezug auf ihre Persönlichkeit sehr gefestigt sind und durch ihre Schullaufbahn eine klarere Vorstellung davon entwickelt haben, worin sie gut sind und was sie gerne tun. Und das ist glaube ich für einen Gründer unheimlich wichtig, aber das hast Du ja oben schön näher ausgeführt.

    Unsere „herkömmlichen“ Schulen helfen meiner Meinung nach diesbzgl. nicht wirklich weiter. Ich zumindest hatte nach 13 Schuljahren weniger Ideen, was ich mit meinem Leben anfangen möchte, als im Kindergarten. Damals wollte ich noch Erfinder werden. Auch Weihnachtsmann war mal eine Idee, weil man dann nur einen Tag im Jahr arbeiten muss. Meiner Tante habe ich glaube ich auch mal gesagt, dass ich Bratpfanne werden möchte – aber eher, um sie zu provozieren…

    Doch nach dem Kindergarten wurde bei mir über 13 Jahre hinweg jedwede Kreativität und Individualität systematisch abgetötet, was ich nur zum Teil abwehren konnte und mir auf schwere Art und Weise wieder erarbeiten musste.

    In seinem sehr unterhaltsamen TED-Talk „Do Schools Kill Creativity“ ( http://www.youtube.com/watch?v=iG9CE55wbtY ) erklärt auch Sir Ken Robinson, dass unser Schulsystem (leider) vollkommen versagt, wenn es darum geht Kindern dabei zu helfen, herauszufinden, wann sie in ihrem Element sind. Doch sollte das nicht auch bzw. in erster Linie die Aufgabe von Schule sein?!

    Natürlich ist es wichtig, Lesen und Schreiben zu lernen, aber bzgl. der Persönlichkeitsentwicklung und Potentialentfaltung leisten „herkömmliche“ Schulen meiner Meinung nach einen sehr fragwürdigen Beitrag.

    Man muss sich ja diesbzgl. auch vor Augen führen, dass der Wert innerhalb unseres Wirtschaftssystems heute weniger in der Produktion materieller Güter liegt (wie zu Zeiten der Industrialisierung, in welcher unser bestehendes Schulsystem größtenteils entstanden ist), sondern in der schöpferisch-kreativen Leistung, welche diese erst ermöglicht. Die Fähigkeit, vorhandenes Wissen und Können auf einem neuen Gebiet anwenden zu können wird immer wichtiger. Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen hängt heute stark von Menschen ab, die kreativ sind und gelernt haben, eigenständig zu denken und zu handeln.

    Ich glaube, dass Waldorfschulen diesbzgl. einen besseren Beitrag leisten als viele „herkömmliche“ Schulen. Doch auch fern der Waldorfschulen gibt es Lichtblicke. Diesbzgl. kann ich diesen Artikel über eine Reformschule in Berlin empfehlen: http://www.ev-schule-zentrum.de/fileadmin/zentrum/Service_Zentrum/Downloads_Zentrum/a-SPIEGEL_WISSEN_2-10.pdf

    So, jetzt werde ich hier aber auch „abtanzen“ -> http://www.ab-insbett.de/

    • godiwajung sagt:

      Vielen Dank für Dein Kommentar!
      Ich wollte immer Hexe werden… und später dann Millionär 🙂

      Hierzu möchte ich noch etwas ergänzen:
      „Bei all den Waldorf-Freunden von mir hatte ich immer das Gefühl, dass sie in Bezug auf ihre Persönlichkeit sehr gefestigt sind und durch ihre Schullaufbahn eine klarere Vorstellung davon entwickelt haben, worin sie gut sind und was sie gerne tun. Und das ist glaube ich für einen Gründer unheimlich wichtig, aber das hast Du ja oben schön näher ausgeführt.“
      Waldorfschüler machen in der 8. und 12. Klasse eine Jahresarbeit, sie suchen sich ein Thema aus, was SIE persönlich interessiert und beschäftigen sich dann ein ganzes Jahr damit. Es gibt einen schriftlichen sowie einen praktischen Teil. Hierbei lernen sie:

      – herauszufinden, was sie wirklich interessiert, was sie begeistert mit was sie sich ausführlichst beschäftigen möchten. Das herauszufinden fällt vielen Menschen nicht leicht und es ist ein Reichtum seine Begeisterungen zu kennen.
      – viele wissen schon durch die Jahresarbeit, in welche Richtung sie später im beruflichen Leben gehen möchten und nicht wenige verfolgen den Weg auch tatsächlich.
      – sie suchen sich einen Mentor aus, mit dem sie nicht nur auf menschlicher zurechtkommen, sondern auch zusammen arbeiten können. Herauszufinden mit welchen Menschen man zurechtkommt ist ebenfalls nicht immer leicht (z.B. Partner für ein Gründerteam) – oft scheint auf den ersten Blick alles gut, später stellen sich doch viele Differenzen heraus. Dies schon früh zu lernen ist ebenfalls ein Reichtum.
      – auch wenn man nicht immer 100%ig motiviert ist, lernt man sich immer wieder hinzusetzten und an seiner Arbeit weiter zu arbeiten, es zu verfeinern bis man zu einem guten Ergebnis kommt. Man legt es also nicht einfach wieder weg, wenn man nicht weiterkommt oder gerade eine Begeisterung für ein anderes Thema größer ist.
      – nicht zuletzt weiß man nach Abschluss der Arbeit, wie toll das Gefühl ist, so eine große Arbeit erfolgreich zu Ende gebracht zu haben.

      Eine weitere Sache, welche ich zu meinem Blogartikel noch gerne ergänzen will ist, dass das freie Sprechen und Präsentieren, das „Wohlfühlen auf der Bühne“ auf Waldorftschulen bestens gefördert wird. Durch mindestens 6 Theateraufführungen (zwei davon nehmen jeweils 1,5 Monate in Anspruch), durch die Präsentationen der Jahresarbeiten und den berühmten Monatsfeiern, bei welchen jede Klasse jeden Monat eine Sache für die ganze Schule aufführt lernt man sich auf der Bühne wohlzufühlen und frei, laut und deutlich zu sprechen.

      Vor ein paar Tagen habe ich eine sehr spannende Rede von Gerald Hüther angehört, welche er auf dem letzten Entrepreneurship Summit gehalten hat. Es geht darum, dass man als Kind noch 50-100 Begeisterungen am Tag hatte, diese aber vom ersten Schuljahr anfängt zu verlieren. Und ansatzweise wie man sie wieder erhalten kann. SEHR empfehlenswert (!) : http://www.youtube.com/watch?v=4CaWKQmPQFI

      Das Alleinstellungsmerkmal von einem Weihnachtsmann hast Du ja schon früh erkannt – und auch eine Bratpfanne kann wirklich unglaublich kreativ sein 🙂

  2. […] Gründereigenschaft Anthroposophie […]

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